Live: „Streuselkuchen – Ein Stück für Alle“ in der la Cappella am 22. Mai 2026
Bereits die Zusatzzeile im Titel verrät, dass es hier um viel Doppeldeutigkeiten, aber auch um viel Menschlichkeit ging. Judith Bach war wiederum die Claire aus Berlin. Sie erzählte von ihrer Grossmutter, Oma Fritz, vom Klavierspielen und davon, dass sie Schweizerin werden will. Die drei roten Fäden zogen sich durch das Programm. Sie erzählte sehr liebevoll von der „frechen“ Oma Fritz, wie sie dann ins Altersheim zog und von den Begegnungen dort. Sie schilderte den Weg zum Bäcker als 7-Jährige, als Teenager und als erwachsene Frau und heute, wo die Bäckerei geschlossen war. Sie konnte die verschiedenen Figuren mit Stimme, Mimik und Haltung optimal machen und dadurch immer wieder an beliebiger Stelle im Stück einfliessen lassen. Bei der Geschichte, Schweizerin werden zu wollen, sang sie Lieder mit der Textzeile „Ich will Schweizerin werden mit Kägifrett und fetten Bünzli auf dem Trottinett“. Sie schlug sich als Bundesrätin vor und versprach, dass alle ihre eigene Meinung behalten dürfen und man darf auch keine Meinung haben darf. Sie stellte den Entwurf eines Musicals vor mit dem Schacher Seppli und verschiedenen Frauen aus der Schweizer Geschichte und Musikgeschichte. Natürlich spielte sie den Flügel mit grosser Virtuosität und viel Witz. Sie flocht Melodien ineinander, spielte melodisch und langsam oder dann wieder in einem wahnsinnigen Tempo. Eine andere Geschichte flocht sie als Running Gag ein, nämlich, dass sie der langjährige Techniker verlassen wolle, wegen einer Frau in Toulouse, was dann auch zu To Loose wurde. Nach der Pause trat sie mit dem Alphorn auf die Bühne und spielte ein kurzes Stückchen darauf, und das gar nicht schlecht. Das Programm hatte kritische, menschliche, schräge und poetische Momente. Judith Bach wurde noch besser als bisher und das ist wiederum eine Musikkabarettistin, welche zu etwas vom Besten gehört, was es im deutschsprachigen Raum zu sehen und hören gibt.
Fredi Hallauer