SALON MORPHEUS

Live: „Feuerspiele“ in der La Cappella am 28. Januar 2023

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Die La Cappella verwandelte sich an diesem Abend in ein Variete. Ja genau so ein Variete das früher mit einem Wagen von Ort zu Ort zog. Sechs Akteur:innen verwandelten das La Cappella in den Salon von Morpheus. Ein Conferencier aus Berlin präsentierte die Show, sang ein Lied von Kreisler, las ein Gedicht von Wilhelm Busch und unterhielt das Publikum, zusammen mit einem Kleinwüchsigen, der mal als Engel und dann als Teufel erschien und mittels einer Tafel die nächste Künstlerin ansagte. Ein Pianist begleitete die Lieder, eine Drag Queen bezirzte das Publikum und sang ebenfalls, eher Liebeslieder. Eine Artistin spielte mit Glocken, welche vom Publikum geschüttelt wurden und sie dirigierte, sie spielte auch mit Feuer und hangelte sich mit Slapstickeinlagen an einem Reifen, der von der Decke hing, herum. Eine Dame mit Rundungen bot zweimal eine Burlesque Show. Diese gut zwei stündige Show war beste Unterhaltung, sympathisch und eigentlich so richtig herrlich Old School und auch schön schräg.

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REBEKKA LINDAUER

Live: „Héroïne“ in der La Cappella am 26. Januar 2023

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Die Zürcherin war früher eine Grösse in der Slam Poetry Szene, heute sei sie aufgestiegen in die Kleinkunst. Ihre Art Gedanken vorzutragen bewegt sich zwischen Slam Poetry, Satire und ein bisschen Kabarett. Sie als Musikerin zu bezeichnen ist etwas hochgestochen, im Laufe des Abend sang sie drei Lieder, welche weder musikalisch, gesanglich noch textlich gut waren. Aber beginnen wir von Vorne. Die Frau mit auch griechischen Wurzeln und einem Lockenkopf erklärte, dass es ein Wunder sei, dass sie heute auftrete, denn ihre Locken könnten sich sehr schnell in Dreadlocks verwandeln. Dann las sie einen alten Text über Haare, der mässig war und sehr schnell gelesen wurde. Im ersten Set war spannend wie Rebekka Lindauer die griechische Mythologie für viele Fragen, welche sie stellte, ins Spiel brachte. Das war echt originell und spannend, natürlich mit viel Witz und Satire gemischt. Sie erzählte auch über Outdoor Bekleidung und weitere Alltagssachen. Dazwischen geriet sie immer wieder in „Sex Sells“, was weniger lustig war, als die Aussagen mit schwarzem Humor. Oft wurde man von ihr regelrecht zugetextet und es war manchmal anstrengend ihr zu folgen. Nach der Pause war das Tempo etwas gedrosselt, die einzelnen Geschichten oder Themen länger, so dass Rebekka Lindauer weniger hin und her switchte. Sie outete sich als Viandine, also Fleisch Esserin und machte sich lustig über Vegetarier:innen indem sie das Wort auseinander nahm und Bezüge zu Arier machte. Bitterböse Satire. Eine andere bitterböse Aussage war, dass integriertes Wohnen ist, wenn neben dem Altersheim gleich das Krematorium steht. Der zweite Teil ihres Programms, übrigens das erste Bühnenprogramm von Rebekka Lindauer, war besser, weniger anstrengender und lustiger. Sie hat aber im grossen und ganzen noch ziemlich viel Luft nach oben und sollte sich bewusst werden, was für Zürich funktioniert, funktioniert nicht automatisch auch in anderen Gegenden der Schweiz.

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CHRISTOPH SIMON

Live: „Strolch“ in der La Cappella am 19. Dezember 2022

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Christoph Simon betrat die leere Bühne, ausgestattet mit einem Headset und sonst war Nichts auf der Bühne, weder Stuhl noch Requisiten. Er begrüsste das Publikum und begann sofort mit seiner Erzählung. Er erzählte sehr lebhaft von einem abgemachten Blind Date, dem Aufräumen und Reinigen der Wohnung, seinem schönen Hemd und alles was es braucht für so ein Blind Date. Dann klingelte es an der Tür und die erste Tochter mit Mutter stand da, später die Zweite und auch noch die Dritte. Alles läuft etwas aus dem Ruder, aber der Strolch bleibt immer noch Cool. Die Geschichte verschiebt sich in ein Café in der Länggasse und geht turbulent weiter, gipfelt in einer Verbrecherjagd. Nicht alles kommt gut, aber miteinander kommt es besser. Christoph Simon verstand es mögliche Szenen mit pubertierenden Töchtern, mit verliebten Männern, mit Menschen im Quartiercafé so lebhaft zu gestalten, dass es richtig zum Lachen war, weil die Realität gar nicht so weit weg war. Dazwischen kamen dann absurde Sachen vor und die waren erst recht lustig. Er erzählte die Geschichte wie wir einander Geschichten erzählen, gewisse Leute im Publikum fragten sich ob er das aus dem Stegreif tat. Auch wenn man wusste, dass dies ein gelerntes Programm war, glaubte man nach wenigen Minuten, dass er uns eine Geschichte erzählt, einfach so und gerade jetzt. Es war ein gelungener Abend, tolle Geschichte, sehr gut und lebhaft präsentiert, lustig und obwohl erfunden aus dem Leben gegriffen.Grossartig.

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WILLY ASTOR

Live: „Pointe of no Return, the Greatest Witz of Willy Astor“ in der La Cappella am 2. Dezember 2022

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Der Münchner Komiker, Blödler und Musikkabarettist trat zum ersten Mal in der La Cappella auf und sie war sozusagen ausverkauft. Er startete mit seinen lustigen Wortspielereien und – verdrehungen. Vieles waren kurze Lieder, bestehend aus bekannten Hits mit Worten die von Willy Astor waren, aber so ausgesprochen wurden, dass sie dem Original glichen. Das ganze Programm war sozusagen ununterbrochen mit solchen Kalauern vollgepackt. Einnal waren es Alkoholika, dann Prominente oder Aurobestandteile. Die meisten waren lustig, allzuoft ging er unter die Gürtellinie, auch er hat das eigentlich nicht nötig. Am Anfang fragte er Leute aus dem Publikum, vor allem zwei Jugendliche, 12 und 13 jährig, das war für alle nicht lustig und für die Kidz unangenehm. Er las im weiteren Geschichten, so zum Beispiel eine Geschichte in dem jedes Wort mit dem Buchstaben A anfing. Das muss man zuerst können. Nach der Pause steigerte er sich mit „Radkäppchen“ oder auch dem Lied über die Senioren, das war sehr lustig, auch seine „Maschin scho putzt“. Aber irgendwie bekam man von dem Schnittmuster des Wortverdrechslers auch genug und die Stimmung fing zu hängen an. Da griff er zur akustischen Gitarre und wurde zum Liedermacher. Er sang zwei sehr schöne Lieder, eines über was er glaubt und ein weiteres. Ganz zum Schluss nach einem sehr langen Abend packte er seine Fähigkeiten als Gitarrist aus und spielte ein längeres sehr schönes Sologitarrenstück auf der E-Gitarre aus dem Projekt „Sound Of Island“. Willy Astor blödelte viel, aber nicht nur und zeigte eine enorme Vielseitigkeit.

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NINA WÄGLI

Live: „Verhedderet“ in der La Cappella am 19. November 2022

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Nina Wägli betrat mehr oder weniger die leere Bühne mit einem Koffer und einer Tasche. Sie begrüsste das Publikum und erzählte biografisch wer sie ist und was sie so beruflich schon alles gemacht hat, ihr aber nichts passt, oder sie wegen dem Swissair Grounding entlassen wurde als Flight Attendant und sie eigentlich nicht weiss was sie machen soll. Ok, sie will Politikerin werden, aber da stellt sich wiederum die Frage nach der Partei in den Weg. So führt sie das Publikum von Entscheidung zu Nichtentscheidung, erzählt von der Zeit als Flight Attendant, als Spitalclown und dazwischen gibt sie so ganz nebenbei ein paar verblüffende Tricks zum Besten.

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Nina Wägli versucht sich zu entscheiden und es ist lustig ihr dabei zuzusehen und zu hören. Ja das ist Kabarett mit politischem Biss, aber sie beisst mit Charme zu, aber trotzdem kräftig. Selbstverständlich wird die Geschlechterfrage aufgegriffen, die Frauensituationen im Beruf, die Liebe und die Entscheidungen, wenn soll ich lieben. Sie nimmt irgendwie das ganze Leben auseinander und, soviel sei verraten, schafft es, es wieder anders zusammenzusetzen, dass das Konstrukt Leben einigermassen Sinn macht. „Verhedderet“ ist ein lustiges Kabarettprogramm mit Tiefgang, welches zum Lachen und Nachdenken anregt. Nina Wägli ist ein Stern am Kabaretthimmel.

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FUSSTHEATER ANNE KLINGE

Live: „Der Fussmord und andere Liebesdramen“ im Basler Marionetten Theater am 12. November 2022

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Das Gastspiel von Anne Klinge im Basler Marionetten Theater war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Gespielt hat Anne Klinge aus Deutschland, die originale Fusstheater Spielerin. Ja richtig, nur eine Person hat mit ihren Füssen Puppen geschaffen und sie gespielt. Meistens hat sie den Fusspuppen ihre Hände geliehen, einmal sogar den anderen Fuss um einen Schuh anzuziehen. Die erste Hälfte des Abends bediente sie mit zwei Füssen zwei Puppen. Es war verblüffend grossartig. Das verrückteste ist, dass man nach spätestens fünf Minuten gar nicht mehr merkt, dass das Füsse sind. Die vier Geschichten haben vor allem durch die Technik verblüfft, den Spielwitz und auch durch die irrwitzige Geschichten. Der zweite Teil war etwas mehr Klamauk. Es war ein grossartiger Abend mit etwas was wahrscheinlich die wenigsten der Zuschauer*innen je vorher gesehen hatten.

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MICHAEL ELSENER

Live: „Fake Me Happy“ in der La Cappella am 6.November 2022

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Michael Elsener trat auf die Bühne und befragte das Publikum, wie der Sonntag war. Das Publikum murmelte Ja Ja und er hinterfragte das. Eine Frau sagte etwas lauter, es war ein super Sonntag und er befragte sie dann, sie gab ihm aber nur halbe Antworten. Trotzdem nahm er sie auf den Radar und baute sie immer wieder in seine Texte ein. Ich fotografierte für den Blog und er sah mich, erkundigte sich und ich gab ihm die richtigen ehrlichen Antworten. er fragte wie es bis jetzt gewesen sei und was das schlechteste sein könnte. Ich gab zur Antwort, wenn er sich über Leute lustig mache. Dann begann er mit dem Programm, erwähnte mich immer wieder, als Kritiker, als sein Blogger oder als Fredi. Sein Programm führte über Durchsagen der SBB, Begegnung mit der ehemaligen Französischlehrerin, ein Auftritt als A-Capella Boygroup, Moritz Leuenberger als Rede Coach für den Bundesrat, mit Beteiligung verschiedenster Bundesräte und ein singender DJ karikierte er auch noch. Es war sehr lustig, ab und zu rutschte er unter die Gürtellinie, was er nicht nötig hat und zum Schenkelklopfer Humor wurde. Ansonsten ist es höherer Blödsinn oder intelligentes Kabaret. Selbstverständlich wurde ich zum geheimen Star des Abends. Nach der Pause, erklärte er, dass er nächstes Jahr ein neues Programm habe und hier ein paar Nummern ausprobieren werde zum Thema Politik. Dann folgte ein sehr kluger Teil, mit dem chemischen Periodensystem und dann dem Nationalrat, welcher auch aus Elementen besteht und je nachdem reagiert. Ein Höhepunkt des Abends. Ein fünfjähriger der wählen sollte, da Stimmrechtalter 5 jährig ist, war vorhersehbar. Spannender wäre eine Nummer gewesen wie 16 jährige reagieren. Es folgten eine philosophische Nummer über das Ansteigen der Meere, eine lustige Geschichte des Grossvaters vor Gericht und als Zugabe verschiedenste Persönlichkeiten in einem Hamam, auch der singende DJ kam nochmal zum Einsatz. Auch da wurde ich immer wieder erwähnt und ab und zu auch die Frau. Die Erwähnungen waren nicht immer sehr geglückt, er bedankte sich aber am Schluss offiziell bei mir für den breiten Rücken. Humor ist ja bekanntlich wenn man über sich selber lachen kann. Michael Elsener bot beste Unterhaltung mit Niveau.

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MASSIMO ROCCHI

Live: „Carte Blanche“ in der Mühle Hunziken am 26.Oktober 2022

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Massimo Rocchi ist auch mit 65 noch auf den Bühnen unterwegs und es müsse ihn ein Löwe auf der Bühne zerreissen, sonst höre er nicht auf. Nach 27 Jahren war er zurück auf der Mühle Bühne und die Mühle war bis auf den letzten Sitz und die letzte Treppenstufe ausverkauft. Massimo Rocchi verstand es das Publikum mehr als zwei Stunden mit Pantomime, Sprachwitz und Erzählungen aus seiner Kindheit in Italien zu unterhalten. Er mimte einen Tänzer, einen Dirigenten, Oliver Kahn und auch sonst war sein Programm und seine Erzählungen gespickt mit viel Pantomime. Massimo Rocchi erklärte warum die Basler hohe Türme bauen und warum es die Zürcher auch tun, er erklärte wie man Spaghetti Carbonara richtig kocht, er erklärte die Oper von Italien und die Opern an sich, wie Einstein in Bern auf die Relativitätstheorie kam, er erklärte die Unterschiede zwischen italienisch, deutsch und französisch, machte keine Witze über das englische Königshaus und erzählte über den Gesundheitscheck beim Arzt. Massimo Rocchi brillierte als Pantomime, Komiker, Wortakrobat und Erzähler. Beste Unterhaltung.

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SILVANA GARGIULO

Live: „Felicita“ in der La Cappella am 25. Oktober 2022

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Dies ist das erste Solo Programm von Silvana Gargiulo. Bekannt ist sie von der Famiglia Dimitri und den Auftritten mit Nina Dimitri. Nun steht und sitzt sie alleine auf der Bühne. Sie spielt ein Programm, also eigentlich ein Theater in einem Guss mit einem Anfang und einem Schluss. Da gibt es keine Zwischengeplänkel und Verzettelungen. Silvana Gargiulo spielt eine übergewichtige Frau, welche gegen die Verführungen des Essens einerseits und andererseits gegen den Schlankheitswahn kämpft. Sie kann gewisse Szenen sehr subtil und langsam genussreich spielen, andere Male schimpft sie mit ihrer Schwester am Telefon wie ein wilder Rohrspatz. Tolle Szenen gibt es auch im Fitnessstudio Felicita. Silvana Gargiulo spielt das Stück Deutsch – Italienisch, immer abwechselnd, so dass sowohl nur deutsch Sprechende wie auch nur italienisch Sprechende eigentlich alles verstehen. Dieser Abend brachte einem zum Lachen, zum Nachdenken und war sehr unterhaltend. Er zeigte auch eine Frau die mehr als Theaterspielen oder Klamauk machen kann. Grossartig.

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FRÖLEIN DA CAPO

Live: „Die Ein-Frau-Show“ in der La Cappella Bern am 21. Oktober 2022

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Frölein Da Capo gastierte mit ihrem neuen Programm Die Ein-Frau-Show in der la Cappella. Wie der
Programmtitel heisst, baute sie einfache Showelemente ein, die auch ein bisschen die grossen Shows persiflierten. Sie selber trat als grosse Showdame auf, welche während des Lockdowns Showkurse besuchte und sie präsentierte nun einzelne Elemente aus diesen Kursen. Irgendwie war der Teil bis zur Pause banal, wenig lustig und dadurch ziemlich mittelmässig. Die Lieder hatten meistens einen Micky Maus Schluss, also einen abrupten Schluss mit „Pointe“. Sie plapperte viel. Diese Rolle, welche sich Frölein Da Capo hier gab, passte nicht zu ihr. Nach der Pause änderte sich das. Das Frölein Da Capo war wieder das Frölein Da Capo wie es das Publikum kennt. Die Lieder waren gut, schön beobachtete Alltagssituationen, Ein Herbstgedicht, welches sie gleich zeichnete war überragend. Es folgte dann noch ein Geburtstagsblues für Christoph Hoigné (Chef La Cappella), ein witziges botanisches Lied mit Zeichnungen und einiges mehr. So war es dann doch ein gelungener Abend.

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