CHRISTOF WOLFISBERG

Live: „Abschweifer“ im La Cappella am 30. April 2019

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Fünfzig Prozent vom Duo Ohne Rolf, Solo mit Stimme, so kündigte sich Christof Wolfisberg selber an. Die Erwartungen waren gross, der Abend liess mich etwas ratlos zurück. Eigentlich macht er das gleiche wie Ohne Rolf, nur mit Worten. Alle Elemente des schweigenden und schreibenden Duos sind genauso vorhanden, wirken aber gesprochen weniger gut. Das Publikum wird mit einbezogen, es geht um fiktive Gedankengänge beim Publikum, die erstaunlicherweise die wirklichen Gedankengänge sind, denn er provoziert sie förmlich. Zuviel kann ich hier nicht verraten, sonst sind die wenigen guten Ideen verschwendet, welche im Stück vorkommen. Christof Wolfisberg ist so selbstkritisch, dass er in der Hälfte des Stücks die Kritik seines Stücks schon selber sagt. In der zweiten Hälfte gibt es dann noch ein paar geniale Ideen und Gags. Das ganze Stück ist wiederum etwas lang, gemessen am Inhalt. Vielleicht kann man es so sagen, Ohne Rolf ist genial und nicht zu übertreffen und Christof Wolfisberg ist zu ähnlich, aber mit Worten kommt es weniger genial hinüber. Aber wie er am Schluss selber sagte, man muss sich selber ein Bild machen.

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Fredi Hallauer

BÄNZ FRIEDLI

Live: „Was würde Elvis sagen“ in der La Cappella Bern am 15. März 2019

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Auf der Bühne stand eine lebensgrosse Kartonfigur von Elvis und dazu trat Bänz Friedli. Der Kabarettist erzählte, philosophierte und provozierte über das Leben in Zürich und Bern, Schaffhausen und Basel. Er imitierte die Dialekte meist sehr gut, einzig der Berner Oberländer war nicht ganz sauber. Dazwischen gab er auf seine Fragen immer wieder Antworten mit gesungenen Zeilen aus Elvis Songs, einmal schenkte er ihm auch ein Pepsi ein, da Elvis offenbar immer Pepsi Cola trank. Bänz Friedli erzählte von den immer grüner werdenden PolitikerInnen, welche sich als grün bekennen, aber trotzdem alle Vorstösse für die Umwelt ablehnen. Politisch beleuchtete er alles, von Links bis rechts. Der Stadtpräsident von Bern war ebenfalls im Saal und bekam bewusst da und dort etwas ab, was er aber mit Lachen wegsteckte. Weitere Themen waren die Kirche, bzw. die „Religionen“ wie Vegan, Yoga, FCZ und andere Organisationen. Die Secondos waren ebenfalls ein Thema, von den Italienern von früher bis zu den Jugendlichen aus dem Balkan heute, wobei er die sehr sympathisch persiflierte. Natürlich sprach er in Bern sehr viele typische Berner Themen an wie Reithalle, E-Bolliden Rennen und einzelne Politiker. Ganz zum Schluss sang er dann noch ein Stück eines Elvis Songs in Lederjacke und Sonnenbrille. Bänz Friedli war nicht immer nur lustig, trotzdem konnte man an dem Abend sehr viel Lachen, aber auch Denkanstösse mitnehmen. Dieses Programm ist inhaltlich sehr gut, aber der rote Faden mit Elvis verhält nicht so gut wie beim letzten Programm das Zeitsparen.

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Fredi Hallauer

BODO WARTKE

Interview:

Vor dem Auftritt in der La Cappella Bern am 26. Januar 2019, sprach Fredi Hallauer mit Bodo Wartke.

Album: „Was, wenn doch? (Reimkultur)

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Dieses Album erschien bereits 2015, ist aber das aktuellste. Bodo Wartke spielt sowieso alle, oder viele seiner Programme. Wie es von diesem Künstler nicht anders zu erwarten ist, sind es hervorragende und witzige Texte. Das Thema ist die Liebe in allen Facetten. Hervorstechend ist sein Klavierspiel, das sehr begeistert und es sich lohnt, ab und zu nur auf das Klavier zu hören, vor allem wenn man die Texte schon kennt. Die Aufnahme hat für mich gewisse Mängel, denn das Klavier ist im Vordergrund und der Gesang etwas dahinter. Vor allem wenn er schnell singt, das tut er oft, wird es zumindest für nicht Deutsche etwas schwierig zu verstehen. Da es ja ein Album ist, kann man es dafür ein paar Mal hören und so bekommt man dann die Worte doch genau mit. Dies ist ein gutes Album, live ist aber immer noch viel besser.

Fredi Hallauer

Live: „In guter Begleitung“ mit Melanie Haupt in der la Cappella am 26. Januar 2019

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Bodo Wartke wurde von Christoph Hoigné gebeten, zum La Cappella Jubiläum, ein programm zu spielen, welches er noch nie in der la Cappella gespielt hat. Das war schwierig für ihn, denn er hatte alle Programme bereits gespielt. Darum setzte er die Idee um, mit Melanie Haupt, alle Sachen an einem Abend auf die Bühne zu bringen und noch ein paar neue Sachen dazu, ein komplettes Bühnenprogramm also. Diese Idee war genial, denn die Beiden ergänzten sich bestens in ihrer Art, Bodo Wartke, eher der Ruhige und Melanie Haupt die Exzentrische. Der wunderbare Abend begann mit Klavierkabarett in der fast klassischen Art, witzig und mit Texten die manchmal auch etwas hinterhältig waren. Sehr deutlich war das im „Frühlingslied“, wo die vermeintlichen, von der Frau geschätzten Emotionen des Mannes, eine Pollenallergie war. Es folgte dann ein längerer Text von Bodo Wartke zum Thema „Burkaverbot“. Er fordert darin Burka für alle, denn dann ist jede Diskriminierung, jeder Übergriff oder unanständige Mimik ausgeschlossen, bzw. wird nicht mehr wahrgenommen. Dieser Text geht bis zum KluKluxKlan, also weisse Burkas für alle, dann ist das auch mit der Hautfarbe geregelt. Es ist nicht zu beschreiben was Bodo Wartke alles in diesen Text reingepackt hat, und obwohl es ein schwieriges Thema ist, wurde es leicht und lustig und trotzdem auf eine Art ernsthaft und nie blöd. Melanie haupt sang dann ein Lied aus ihrem Soloprogramm „Hauptquartier“, welches am 8. September 2019 in der la Cappella aufgeführt wird. Darauf folgte ein Ausschnitt aus Antigone, welcher das theatralische von Melanie Haupt sehr zur Geltung brachte. Nach der Pause widmeten sie sich der Oper, genau genommen der Zauberflöte. Bodo Wartke untersuchte das Libretto dieses Musiktheaters und fand es eine Katastrophe, voll mit grammatikalischen Fehlern, rassistisch und Frauen feindlich. Er ist daran ein neues Libretto zu schreiben, an dem auch junge Leute Freude haben, zeitgemäss, anständige Sprache und korrekt. Einige der Arien stehen bereits und so sangen sie sich durch die Zauberflöte in Kurzversion, dazwischen las er zweimal Teile aus dem original Libretto. Es war einfach genial was entstanden ist. Die Musik meist wirklich Mozart, aber dann plötzlich wieder etwas moderner, die Texte lustig interpretiert, die original Geschichte spannend erzählt. Höhepunkte waren natürlich als plötzlich die Vogelhochzeit auftauchte und auch noch die Vogelwarte Sempach und einige Überraschungen mehr. Zum Schluss oder als Zugabe trat dann noch die Chanteuse Melanie auf, welche sich in den Pianisten verliebte, und er sang die Zeilen des ersten Liedes des Abends „Das ist mir bisher noch nie passiert“. Ein Highlight in dieser Saison oder vielleicht sogar in der Geschichte der la Cappella fand seinen Schluss.

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Fredi Hallauer

OHNE ROLF

Live: „Seitenwechsel“ in der La Cappella Bern am 21. Dezember 2018

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Das Duo ohne Rolf erfand sich mit dem Programm „Seitenwechsel“ wieder einmal neu. Bereits beim Eintreffen fand man auf dem Stuhl ein kleines Formular, ein Bewerbungsschreiben. Als die Beiden auf die Bühne kamen, verlangten sie diese Bewerbungsschreiben, natürlich schriftlich mittels Blättern. Sie begannen ein Zwiegespräch, ohne Sprache, sondern wie gewohnt mit ihrem Blättern. Dann wählten sie eine Kanditatin oder Kanditaten aus, scheinbar von diesen Zetteln, aber in Realität mit vorgegebenem Namen und Beruf. Ein Mann wurde auf die Bühne geholt und zwischen die beiden auf einen eigenen Platz gestellt. Er hatte eigene Blätter zum Blättern und machte das sehr gut, es kam die Frage auf, ob er zu Ohne Rolf gehört oder eingeweiht wurde. Ein weiterer Kanditat und eine Ersatzkanditatin folgte, auch bei ihnen blieb die Frage offen, wie eingeweiht sie waren. Dann wurde ich ausgewählt und war sicher nicht eingeweiht. Aber das Ganze ist so gut gemacht, dass man da vorne gar nichts falsch machen kann. Mehr verrate ich nicht. Doch ich kann noch sagen, dass man überhaupt nicht mitbekommt um was es geht, man kann weder die eigenen noch die Blätter der Beiden lesen. Was Jonas und Christoph da vorne machen ist eine Höchstleistung. Sie können alles auswendig und sehen auch nicht was sie Blättern und es stimmt bis zum Schluss. eingebaut war ein Zaubertrick und einige weitere KanditatInnen. Am Schluss ging es um den Tod und Philosophie, um die Frage wie stark darf man Kalauern bei diesen Verhältnissen auf der Welt. Sie zeigten auf, dass Aktionen um die Umwelt zu schützen manchmal gar nichts bringen, mit dem Beispiel, wenn sie kleinere Blätter nehmen und gleich gross schreiben, braucht es neun kleine Blätter, das ist soviel wie ein grosses und mehr Infos gibt es nicht dabei. Man muss den ganzen Abend lesen und wird durch beste Unterhaltung belohnt. Sie nahmen auch immer wieder, witzig auf früher geschriebenes Bezug. Vielleicht gibt es ein paar Längen, oder Teile die man kürzen könnte, wie z.B ein paar KanditatInnen weniger, vor allem sich selber nicht auch noch als Kanditaten, und auch gegen den Schluss wirkte es etwas konstruiert, man merkte es auch dem Publikum an.. Aber Ohne Rolf ist ein Duo das man sich immer wieder anschauen kann.

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KNUTH UND TUCEK

Live „Weimarer Weihnachtsspiel oder Jesses Maria!“ in der La Cappella Bern am 14. Dezember 2018

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Die zwei Frauen spielten eine Weihnachtssatyre, wie sie schöner und bissiger nicht sein konnte. alles fing einigermassen harmlos an. Es ging um eine grosse Inszenierung des Weimarer Weihnachtsspiels im Hallenstadion. Von den Figuren wie dem Regiseur, der Regie Assistentin, Josef, Maria, Melchior, Engel Gabriel erfuhr man langsam immer mehr und auch von den Familien. Es zeichnete sich alles so schrecklich ab, wie es im leben wirklich ist, wir aber oft nicht wahrhaben wollen. In dieses Szenario wurden viele aktuelle und Lebensbezüge eingebaut. Da fielen Sätze wie: „Nach Weihnachten isst man drei Wochen Reste oder wird mit Weihnachtsdepressionen in die Klinik gebracht“. Als der Regisseur bei einem Wahrsager, der nach der Beschreibung Ähnlichkeiten hatte wie ein bekannter Wahrsager der Schweiz, von einer Erscheinung erzählte und alle aufgezählten Menschen es nicht waren, fiel der Name Oskar Freysinger. er kam dann nicht in Frage, weil er „Jenseits ist, aber noch nicht im Jenseits“. Es wurden auch die „Gelben Westen“ eingebaut, Terror auf Weihnachtsmärkten, Donald Trump und noch viel mehr. Das ganze war ein witziges, satyrisch bitter-böses Szenario mit einem einigermassen Happy End. Der Running Gag war, dass die beiden Frauen immer wieder hintereinander kamen und so weitere Turbulenzen hineinbrachten. Politkabarett mit hohem Niveau und ohne Lametta vor dem Mund, so wie es die Ausschreibung versprochen hatte.

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HOMMAGE AN CHRISTOF STÄHLIN

Live: Martin Betz, Luise Enzian, Liv Markus, Sebastian Krämer, Uta Köbernick und Annett Kuhr in der La Cappella Bern am 24. November 2018

Martin Betz Bild Fredi Hallauer

Dieser Abend war ein spezieller Abend, oder ein nicht wiederholbarer Abend. Der deutsche Liedermacher und Kabarettist, Poet, Musiker und vieles mehr, war der erste ausländische Künstler, welcher in der La Cappella eine ganze Woche gastierte. Das war im Jahre 2000. Im Jahr 2015 verstarb er mit 74 jährig an einem Hirntumor. Er führte seit 1989 seine Akademie für Musik und Poesie Namens SAGO. Viele KünstlerInnen aus dieser Akademie traten bereits in der La Cappella auf. An diesem Abend taten das sechs KünstlerInnen in der Erinnerung an ihren Lehrer.

Sebastian Krämer Bild Fredi Hallauer

Der Abend begann mit einem Harfenstück auf einer Barockharfe, gespielt von Luise Enzian. Sie spielte später weitere Solostücke und begleitete das eine oder andere Lied. Martin Betz, der jetzige Co-Leiter von SAGO, erklärte die Philosophie von Christof Stählin und trat dann später mit eigenen und Liedern von Christof Stählin noch auf. Er hatte etwas Schwierigkeiten die Töne zu treffen, was vom Text ablenkte. Die KünstlerInnen, alle sehr erfahren auf den Bühnen der Kleinkunst, waren sehr nervös. Die Eine schaffte es kaum die Gitarre zu stimmen, die Andere blieb zweimal im gleichen Lied hängen. Aber mit der Erfahrung umschifften sie diese Klippen elegant. Sebastian Krämer sang wunderbar und mit einem gewissen Schalk, die teils nicht einfachen Texte, brachte er gut zum Publikum hinüber. Sehr stark war Christof Stählins Lied „Der arme Poet“.

Annett Kuhr Bild Fredi Hallauer

Annett Kur bestach durch die ruhigen und beschreibenden Lieder.

Liv Markus Bild Fredi Hallauer

Liv Markus überzeugte ebenfalls, aber ein Höhepunkt des Abends war im zweiten Teil mit der baseldeutschen Version von „Ne me quitte pas“ als „Verloss mi nid“, aber auch mit Christof Stählins Lied „Das Netz“.

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Uta Köbernick war sehr erfrischend mit ihren Liedern. Alles in allem ein wirklich wunderbarer Abend, textlich teils sehr anspruchsvoll und mit hohem Niveau. Das Publikum konnte nicht einfach konsumieren, sondern war gefordert eigene Denkleistungen zu erbringen. Vielleicht war der Teil vor der Pause etwas schwierig und der zweite Teil dafür leichter, was so gut tat, aber auch Leute an den Rand der Überforderung brachte. Ein Abend der nicht so schnell vergessen geht.

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UTA KÖBERNICK

Live: „Ich bin noch nicht fertig“ in der La Cappella Bern am 7.November 2018

Uta Köbernick präsentierte ihr neues Soloprogramm, es war die dritte Aufführung. Sie beruhigte sofort das Publikum, dass es nicht nervös sein müsse. Sie schaffte es von Null auf Hundert das Publikum in ihren Bann zu ziehen und an ihren Lippen zu kleben um ja kein Wort zu verpassen. Sie ging es ruhig an, so dass man den Texten sehr gut folgen konnte. Ihr Musikkabarett war politisch, satirisch, aber auch menschlich und zwischenmenschlich. Sie lebt in der Schweiz und kennt sich auch hier mit Politik und Wirtschaft aus, so gab es Erklärungen und ein Lied zum Bahnfit der SBB. Sie findet das ist kein Fitnessprogramm, sondern eine Hinführung zur Magersucht. Sie sang zur Gitarre, Ukulele und Geige. Dazwischen las sie Texte, Geschichten, Fragmente von zetteln, welche sie auf einem Tisch herumliegen hatte. Diese Texte hatten Tiefgang, waren skurill oder sonst schräg. nach der Pause erschien sie als andere Figur, einer jungen Ostberlinerin und erzählte als diese Frau eine #metoo Geschichte und dass man dabei lernt, dass nein sagen nicht hilft. Uta Köbernick schaffte es auf sympathische Weise Humor mit Tiefgang zu präsentieren. Es lohnt sich dieses Programm zu sehen.

Fredi Hallauer