ZAPZARAP

Live: „Hohenstein“ in der Alti Moschti Mühlethurnen am 15. November 2019

Bild Fredi Hallauer

Das A-cappella Theater Ensemble ist nach einer Kreativpause wieder zurück. Einiges hat sich geändert. Sie sind noch zu dritt, spielen dazwischen auch Musikinstrumente und alle spielen zwei bis drei Rollen. Etwas ist geblieben, sie sind super gut. Die Geschichte handelt auf verschiedenen Ebenen, ist aber einfach, aber ein guter, witziger roter Faden, welcher einem einen Spiegel vor die Augen hält, ohne nur ein bisschen moralisch zu sein. Die Tankstelle läuft nicht mehr seit die Autobahn gebaut ist, der junge Angestellte, kommt zu spät, verspricht viel, will nach Paris und traut sich doch nicht. Im Einfamilienhaus ist Ende mit dem Frieden, seit junge Wilde im Nachbarshaus eingezogen sind und eine 5G Antenne auf der Burg geplant ist. Zwei Steine der Burg, welche schon die Eiszeiten zusammen erlebten aber auch den Napoleon, haben eine witzige Kommunikation.

Bild Fredi Hallauer

Was passiert und wie es endet muss man selber sehen, sonst ist es nicht mehr witzig, wenn es hier geschrieben steht. Dazwischen kommen immer wieder Lieder zum Einsatz, von „Tea for Two“, zu Abba, den Beatles, Udo Jürgens, Simon & Garfunkel und vielen mehr, teils Original, meistens aber adaptiert oder mit neuen Texten bestückt. Die Lieder sind teils in Originalsprache, teils in Mundart. In der Alti Moschti Mühlethurnen sangen die drei gänzlich unverstärkt und füllten den Raum, sie begleiteten sich teilweise mit Bass-Ukulele, Handorgel und Cornett. Das Bühnenbild ist sehr einfach und verblüffend, es stellt sehr verschiedene Sachen dar, so wie die SchauspielerIn. Zapzarap begeisterten vom Anfang bis zum Ende. Nicht verpassen. http://www.zapzarap.ch

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

SISTERS OF COMEDY

Live: Im La Cappeöla am 12. November 2019

Bild Fredi Hallauer

Aline Trede moderierte den Abend. Sie begrüsste bald Jolanda Spiess Hegglin erzählte von ihrer Arbeit gegen Hater im Internet, dem Verein Netzcourage. Dann startete Jane Mumford, Comedy. Sie sprach über Frauen und Reptilien. Es war mässig lustig.

Bild Fredi Hallauer

Eclecta fuhr mit Musik weiter. Gesang und Schlaginstrumente mit wenig Elektronik erfrischte die Ohren. Sie waren schrill, schräg und fantasievoll. Ihr Lieblingsinstrument war der Filzstift mit dem sie wirklich musizierten. Mit einer E-Gitarre begleiteten sie einen sehr disharmonischen Gesang. Lisa Christ gehörte dann wieder zu der Wortabteilung. Sie referierte über Alt werden – 25Plus.

Bild Fredi Hallauer

Nach der Pause fuhr Lisa Christ weiter. Ihr Thema Schwangerschaft und Geburt. Sie erläuterte auch den Kult darum. Daraus entstand die Ehrung der Mütter. Der zweite Text ging ums Schlafen, miteinander alleine. Eclecta übernahmen dann die Bühne wieder mit ihren skurillen Songs. Das „Guggisberglied“ acappella gesungen in einer eigenwilligen Interpretation war ein Höhepunkt. Dann spielten sie Tom Waits noch schräger als der Meister, umwerfend.

Bild Fredi Hallauer

Jane Mumford redete über Penise und Vaginas. Wie gehabt beschränkt lustig. Dann fasste Patti Basler alles zusammen. Sie machte das sehr witzig und gekonnt in Reimen. Sie ging schonungslos mit allen Frauen welche auf der Bühne waren um, auch mit sich selber.

Bild Fredi Hallauer

Meine Zusammenfassung. Aline Trede brachte am Anfang eine politische Note hinein und da stieg die Erwartung auf Frauen Politcomedy. Herausgekommen ist schliesslich banales und vieles unter der Gürtellinie und zwar genau so billig wie das Männer machen. Die Begeisterung hielt sich beim Publikum in Grenzen. Super war das Duo Eclecta mit ihren Songs, da war auch Frauenpower vorhanden. Patti Basler konnte nicht mehr zusammenfassen als war.

Fredi Hallauer

DUO LUNA-TIC

Live: „Heldinnen“ Premiere im La Cappella am 7. November 2019

Bild Fredi Hallauer

Der Untertitel dieses, wie sich herausstellte, hervorragendem Programms, lautet: „Olli und claire spielen Antigone. Fast“. So startete dann das Programm mit fast klassichem Text und Zwischenkommentaren. Olli und Claire proben noch und sie waren sich immer weniger einig. Wer muss, darf, soll Antigone spielen? Soll es lustig oder Tragödie sein, oder das was sie seit 2006 machen? Sehr gute Aussprüche und Wortspiele lockern alles auf, wie: „Ich liebe Archillesv(f)erse“, oder zur Umweltbewegung der Jungen: „90% der Jungen wollen diese Welt sauber machen, 90% der Eltern wollen, dass die Jungen ihr Zimmer aufräumen“. Skurille Szenen, tiefgründige Texte, Tanz und Musik, mal skurill mal sinnlich machten das Programm abwechslungsreich, unterhaltsam und regten zum Nachdenken an. Sie wollten dann alles positiv sehen und so wurde aus dem Sport Badminton, Goodminton; oder aus den toten Hosen die Lebendigen Shorts. Schlussendlich kam es aber darauf hinaus, dass man vorwärts blicken soll und vielleicht bei sich Anfangen etwas zu verbessern, oder doch lieber bei den anderen oder Irgendwo weit weg. Wichtig ist es Heldinnen zu sein und bleiben, darf auch als Held gelesen werden. Luna-Tic ist hier ein Wurf gelungen, unter der Regie von Federico Dimitri. Das Duo zählt mit diesem Programm zur Spitzenklasse des Musikkabaretts.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

CABARET LUNE NOIRE

Burlesque im Bierhübeli am 25. Oktober 2019

Bild Fredi Hallauer

Ein ganz spezieller Abend im Bierhübeli war angekündigt, ein Abend mit Burlesque. Das Publikum sass vor allem an Vierertischen und es gab auch vier goldene Vierertische mit Champagner Service. Hinten waren noch drei Reihen Stühle und der Balkon sowei die Emporen waren auch besetzt. Ein gut besuchter Anlass. Bevor die Show begann durfte man das Publikum bewundern, den es kam mehrheitlich dem Anlass angemessen angezogen, schön, fantasievoll und auch ein bisschen sexy. Die Frauen waren in der Mehrzahl, aber die anwesenden Männer liessen sich betreffend Bekleidung nicht lumpen, mit Gilets und Hüten und speziellen Hosenträgern und Hemden. Das war bereits unterhaltsam. Dann trat eine sehr voluminöse Frau auf die Bühne mit einer ebensolcher Gesangsstimme. Es war die Frau welche durch das Programm führte, sang und dem Publikum einheizte. Sie war Australierin und lebt in England. es folgten dann fünf Frauen welche sich aus fantasievollen Kostümen, fantasievoll herausschälten. Eigentlich ein gehobener Striptease aber nichts Anstössiges. Die Frauen kamen je eine aus Deutschland, Frankreich, Amerika und zwei aus England. Dann war Pause. Nach der Pause ging es nicht gleich oder ähnlich weiter sondern viel raffinierter. Ein Federntanz wurde vorgeführt mit guten Lichteffekten, dann zeigte eine afrikanische Schlangenfrau ihr Können ohne sich auszuziehen, aber auch ein Ozeantanz, orientalischer Tanz und weitere Finessen kamen zum Einsatz, bei denen das Ausziehen nicht mehr primär war. Eine der Tänzerinnen begoss sich mit der Giesskanne, die andere mit Schaumwein. Neben der Conferenciere gab es auch noch ein witziges Dienstmädchen, welches die verstreuten Kleidungsstücke zusammen sammelte und das mit Witz. Die Show dauerte zwei Stunden und war sehr unterhaltsam und man durfte sich köstlich amüsieren.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

SCHERTENLAIB & JEGERLEHNER

„Textur“ live in der La Cappella Bern am 18. Oktober 2019

Bild Fredi Hallauer

Dieser Abend hätte unter dem Motto stehen können: Tiefsinniger höherer Blödsinn. Was die beiden auf der Bühne boten ist einsame Klasse und etwas vom Besten was die Schweizer Kleinkunstszene zu bieten hat. Nach einem Einleitungsmusikstück las Schertenlaib einen Text mit Fragen zu den Gedanken. Wo ist man wenn man in Gedanken versunken ist? Wo sind die Gedanken? Sie kommen dann auf viele Aussprüche die wir so brauchen wie Der Weg ist das Ziel; oder Keine Nachrichten sind gute Nachrichten und zerpflücken das. Das ist Unsinn sagen sie, Keine Nachrichten sind keine Nachrichten. So geht es sehr lange, immer wieder durch Lieder und Musik illustriert, aufgelockert und zelebriert, weiter. Über das Pressieren war ebenfalls sehr spannend. Wer pressiert kommt weiter, verpasst aber viel, sind so Schlussfolgerungen. Musikalisch spielen sie sich durch Funk und Punk, Jazz, Chansons, Tango und Allerweltsmusik. Sehr lustig und gekonnt ist ihre Blasmusik von ihnen beiden mit dem Mund gemacht, plus die Trommel und Pauke vom Schlagzeug und Jegerlehner dirigierte. Geschichten über ihr Leben mit Abos für Gemüse, Fitness, Theater, Yoga und keine Zeit sie zu nutzen waren ebenfalls sehr amüsant. Es war ein wunderbarer Abend, amüsant, Blödsinn mit Niveau und höchstes Können beim Umgang mit Worten und Musik.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

CIRCUS MUSICAL KNIE

Live: Im Chapiteau in Bern am 10. Juni 2019

Bild Circus Musical Homepage

Der Circus Knie fand vor 200 Jahren in Österreich seinen Anfang. In der 3. Generation, 1901 werden sie eingebürgert und nennen sich dann Schweizer National Circus. Vor- und nachher gibt es viele Hoch und Tiefs. Das Musical von Rolf Knie erzählt die Geschichte der Knies von Anfang an bis 1971. Die heutige Situation der vier Brüder und ihre Trennung wird dann nicht mehr erzählt. Aber egal, wichtig ist, wie diese Geschichte, erzählt und gezeigt wird und dieses Wie ist grossartig. Auch als nicht unbedingt Musical Liebhaber war ich begeistert. Es werden alle Register gezogen von Kostümen, Effekten, kleinen Gags, ich glaube alles bekommt man gar nicht mit, da oft vieles gleichzeitig auf der Bühne geschieht. Die Musik ist rockiger als in anderen Musical, aber trotzdem kein Rockmusical. Die Sängerinnen und Sänger singen sehr gut und auch verständlich und dazu kommen noch Artisten. Das macht dieses Musical so speziell. Es wird im Chapiteau des Circus Natale gezeigt, die Bühne ist aber vorne und es ist keine Manege da, also ein Art ein Musical Theater in einem Zirkuszelt. Die Mischung von Schauspiel, Musical, Tanz  und Artistik machen es dann aus. Es werden wie im Nebenbei grossartige Nummern gezeigt, von Seiltänzern, Jongleuren, Schlangenfrau und Zauberei, dann marschiet plötzlich eine Frau ohne Oberkörper mit einem Servierwagen auf, oder Tiere wie Löwen, Tiger, Elefanten oder Affen marschieren auf. Die wichtigen Texte kommen ein paar Mal vor, damit sie einem bleiben wie z.B.: Circus ist Alles, Alles ist Circus. Aber auch dass die Knie nie aufgeben, sei es bei Problemen mit Napoleon oder Hitler, oder als einfach fast niemand die 100köpfige Artistentruppe aus Indien sehen wollte. Der Kleinwüchsige kommt im ganzen Stück vor und erkärt in schönen Worten, dass er draussen in der Welt nichts gilt, im Zirkus aber seinen Platz hat und Anerkennung findet. Ein tolles Musical zum Lachen, mit ein paar traurigen und dunklen Momenten und einer tollen Show. Es stimmte alles und es waren gute zwei Stunden beste Unterhaltung.

lukaspitsch_d85_0768
Bild Circus Musical Homepage

Fredi Hallauer

CHRISTOF WOLFISBERG

Live: „Abschweifer“ im La Cappella am 30. April 2019

Bild Fredi Hallauer

Fünfzig Prozent vom Duo Ohne Rolf, Solo mit Stimme, so kündigte sich Christof Wolfisberg selber an. Die Erwartungen waren gross, der Abend liess mich etwas ratlos zurück. Eigentlich macht er das gleiche wie Ohne Rolf, nur mit Worten. Alle Elemente des schweigenden und schreibenden Duos sind genauso vorhanden, wirken aber gesprochen weniger gut. Das Publikum wird mit einbezogen, es geht um fiktive Gedankengänge beim Publikum, die erstaunlicherweise die wirklichen Gedankengänge sind, denn er provoziert sie förmlich. Zuviel kann ich hier nicht verraten, sonst sind die wenigen guten Ideen verschwendet, welche im Stück vorkommen. Christof Wolfisberg ist so selbstkritisch, dass er in der Hälfte des Stücks die Kritik seines Stücks schon selber sagt. In der zweiten Hälfte gibt es dann noch ein paar geniale Ideen und Gags. Das ganze Stück ist wiederum etwas lang, gemessen am Inhalt. Vielleicht kann man es so sagen, Ohne Rolf ist genial und nicht zu übertreffen und Christof Wolfisberg ist zu ähnlich, aber mit Worten kommt es weniger genial hinüber. Aber wie er am Schluss selber sagte, man muss sich selber ein Bild machen.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer