LIONEL

Live: „Deine Wahrheit“ in der La Cappella am 20. Juni 2022

Der in Bern wohnende Walliser Zauberkünstler hatte wohl seine heisseste Show. Er startete als Priester mit ein paar verblüffenden Tricks und dann kam er als Lionel. Es gimg bei den Tricks sehr viel um Manipulationen vom ganzen Publikum oder von Einzelpersonen. Oft blieb einem der Mund offen, z.B. wenn das Publikum bekannte Namen auf Zettel schrieb, jemand zog einen und las Erich Hess, Lionel öffnete dann das Couvert, welches auf einer Staffelei stand und zog das Bild von Erich Hess hervor. Lionel redete sehr viel, auch zwischen den Tricks und es war eher zuviel, vor allem etwas zuviel Wallis und Fendant. Der zweite Teil verblüffte weniger, bis auf das Finale mit seinem Milchtütentrick. Er füllte aus einer Milchtüte Milch, Sprite, Cola, Orangensaft, Fendant und wieder Milch. Das Publikum probierte und bestätigte dass es das jeweilige Getränk war. Am Schluss zeriss er die Milchtüte und zeigte, dass sie keine Kammern hatte. Mit diesem Trick gewann er einen begehrten Preis in Las Vegas. Ein Zauberabend mit Lüge und Wahrheit, mit Tiefen und Höhen.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

THEATER SZENE

Live: „Heidi“ lm Vorpark am 18. Juni 2022 um 11 Uhr

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Ein Theaterwagen, ein paar Strohballen davor und gut besetzte Bänke und Decken, alles war bereit und es konnte starten. Vier Schauspieler*innen und Musiker*innen der Theater Szene spielten Heidi. Sie inszenierten das Stück neu und dann erst noch für Openair mit Theaterwagen. Die ganze Aufführung war schlichtwegs genial. Die relativ lange Geschichte wurde in einer Stunde komplett gespielt und zwar immer so, dass nichts wichtiges weggelassen wurde. Mit einfacher Technik und guten Tricks gab es eine sehr lebhafte Vorstellung.

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Der Geissenpeter zum Beispiel hatte Geissenglocken am Gürtel befestigt und so hatte man das Gefühl er kommt mit einer Herde Geissen daher. Die Musik und die Klänge unterstützten das Geschehen auf der Bühne auf grossartige Weise. Da war das Spiel mit Schlegeln auf der Gitarre die so zu einem Hackbrett wurde, das Bürsten einer Kuhglocke, Maultrommel und da und dort, Akkordeon, Flöte, Keyboard und Gesang bereicherten das Stück.

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Die Verwandlung in andere Personen waren immer klar und die gesamte Aufführung genial und für Kinder ab 5 Jahren geeignet und ein Erlebnis.

Weitere Aufführungen bis 13.8 findet man auf http://www.theaterszene.ch

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Fredi Hallauer

RIGOLO TANZTHEATER

Live: „Sospiri“ im Kulturhof Schloss Köniz am 9. Juni 2022

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Das Rigolo Tanztheater ist wieder unterwegs. Früher kannte man es einfach unter Rigolo. Das Markenzeichen war und sind immer noch die Palmblattrispen. Es tanzten drei Frauen im Sand und sie stellten dreizehn Lebenserfahrungen dar. Die Musik kam ab Band und war sehr eindrücklich und sehr unterschiedlich, passte aber sehr gut zum Dargestellten. Trommeln, oder eine Sopranistin mit indischem Harmonium begleitet, Elektronik oder dann ohne Musik und nur mit der Atmung der Tänzerinnen. Die Palmblattrispen spielten in den meisten Szenen eine Rolle. Sie diensten als Horn beim Einhorn, wurden zur Bürde oder dienten als Waffen die Angst machten. Es wurden Verbindungen damit hergestellt oder die Neugier wurde gestillt. Das war ein sehr eindrücklicher und sehr spezieller Abend, ästethisch, sinnlich, poetisch, aber auch kraftvoll und kurz auch bedrohlich. Den Abschluss bildete die bekannte Sanddornbalance mit den dreizehn Palmblattrispen und der Feder. Eine so schöne Nummer, die kann man immer wieder anschauen und sie wurde von Marula Eugster wunderschön ausgeführt.

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Fredi Hallauer

SCHERTENLAIB + JEGERLEHNER

Live: „Angesagt“ in der La Cappella am 3. Juni 2022

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Die beiden grossartigen Künstler überzeugten von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sie sagten sich an als Angesagt und sie würden viel Lärm um Nichts machen. Das neue Programm bestand wiederum aus vielen Wortjonglierereien, genialer Musik und witzigen Wortspielen. Aus Versen wurde plötzlich Fersen und so änderte das Thema. Ladenbeschreibungen von Vis-a-vis, Prima, Spar und Volg, dienten einem mehreren Minuten langen Dialog. auch sonst kamen sie immer wieder hintereinander, verstanden einander nicht richtig oder waren nicht einverstanden miteinander. Das führte zu sehr witzigen Dialogen. Im ganzen höheren Blödsinn, waren aber immer wieder tiefere Gedanken versteckt, wie Frieden, oder Vertriebenen und einiges mehr. Schertenlaib + Jegerlehner sind wirklich die Besten in ihrem Genre, dem Musikkabaret.

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BERND GIESEKING

Live: „Finne dein Glück“ in der La Cappella am 8. Mai 2022

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Bernd Gieseking ist Journalist, Autor und Kabarettist. An diesem Abend berichtete er von seinen Finnlandreisen. Ebenso berichtete er von Norddeutschland und seinen Eltern. Er fuhr nämlich mit seinen über 70ig jährigen Eltern zum ersten Mal nach Finnland. Bernd Gieseking erzählte sehr liebevoll von seinen Eltern und von Finnland. Er reiste kürzlich bereits das 13 mal nach Finnland. Er erlebte vieles und konnte es mit viel Humor erzählen. Dazwischen las er auch Episoden aus einem seiner Finnland Bücher. Er erzählte finnische Witze und auch finnische Sprichwörter. Der Abend war sowohl witzig, wie auch interessant und sehr unterhaltsam mit Niveau.

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MATTO KÄMPF

Live: „Am Apparat“ in der La Cappella am 5. April 2022

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Das war ein Abend mit intelligentem, höherem Blödsinn und einer riesen Suppenkelle Humor. Ein Abend zum dasitzen und sich gut zu unterhalten ohne allzuviel zu studieren. Matto Kämpf machte es einem einfach, z.B. bei den Dias. Er zeigt ein Haus und sagte das sei sein Zuhause aussen, dann sieht man Leute innen und er sagte innen. So einfach präsentiert er seine alten Dias und dies wirklich mit einem Diaprojektor. Seine Telefonsketche waren sehr skurill und lustig. Seine Lieder ohne Musik und seine Musik ohne Lieder waren verblüffend. Beides kriege er nicht zusammen. Der Opener, zeigte genau den Tiefgang des Programms, wenn er alle die Menschen mit fremdländischen Namen begrüsst und fragt, wer fährt den Bus, wer liest die Tomaten ab, wer macht den Tomatensalat, wer serviert den Tomatensalat und dann singt er dieses Land ist dein Land und nicht mein Land. War der Abend doch nicht so einfach? Meinte er vieles ernst? Hoffen wir es doch oder nehmen es ernst, trotzdem war es ein guter und lustiger Abend.

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MICHAEL HATZIUS

Live: „Echsoterik“ in der La Cappella am 6. März 2022

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Der Berliner Michael Hatzius trat zuerst als Clown in einer vollbesetzten la Cappella auf. Das war eher peinlich und Tiere (Puppen) verboten ihm das, auch zaubern solle er nicht, was er trotzdem kurz tat. Dann kamen zwei Schweine zum Einsatz, welche sich über Befindlichkeiten unterhielten und sie lebten mit allen Haken und Ösen. Endlich trat die Echse auf und es wurde echsoterisch.

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Die Echse bot sich dem Publikum als Heiler und Guru an. Sie erklärte die Erschaffung der Welt, erklärte schweizerdeutsche Worte, welche ihr das Publikum zurufen musste. Sie suchte dann jemandem vom Publikum um sich in ein anderes Lebewesen hineinzuversetzen, dieser Teil gelang schlecht, da die Frau aus dem Publikum ungeeignet war und Michael Hatzius, obwohl er frech war, sehr nett zu dieser Frau war. Immer wieder befragte er das Publikum und gab oft sehr freche Kommentare über ihre Herkunft ab. Dann zeigte er immer wieder Filme von einer Esoterik Openair Veranstaltung, wo er als Echse auftrat. Diese Filmsequenzen waren sehr lustig, da echt. Im zweiten Teil startete eine Zecke und sie erklärte viel aus dem Leben, sie traf dann mit einem Dromedar und einem Märchenprinzen zusammen.

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Die Echse legte Tarot und fand eine sehr intelligente Frau um ihr die Karten zu legen und ihre Fragen zu beantworten. Er holte sehr viel aus dieser Frau heraus und sie spielte sehr gut mit und gab schlaue Antworten um nicht peinlich dazustehen. Eine grossartige Leistung von Beiden war das. Michael Hatzius machte immer wieder schlaue Aussagen wie: „Frauen stammen von den Vögeln ab, haben ein schönes Federkleid, schlanke Beine und neigen zum Nestbau. Männer stammen vom Fisch ab, glotzen dumm, sagen nichts und wenn sie etwas sagen, sind es nur Luftblasen“. Es war ein sehr unterhaltsamer Abend.

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FAMIGLIA DIMITRI

Live: „Der Zauber geht weiter“ in der La Cappella am 4. März 2022

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Unter der Regie von Masha Dimitri und Familie standen Nina Dimitri, Silvana Gargiulo und Samuel Müller (Ninas Sohn) zu dritt auf der Bühne, bzw machten sie sich zwischenzeitlich auch streitig. Silvana Gargulio in der Rolle als Komikerin und Zirkusartistin verjagte Samuel Müller als Musiker und Körperartist. Nina Dimitri als Sängerin verjagte dann ihrerseits Silvana Gargiulo. Sie schafften es aber immer wieder zu Dritt auf der Bühne zu stehen. Das Programm kam sozusagen ohne Worte aus, war sehr poetisch, witzig und dazwischen auch ein bisschen deftiger, so kam die Poesie dann wieder besser zum Tragen. Alle Drei zeigten grosses Können in ihrem Fach und im Komödiantentum. Sehr faszinierend war das Piano, welches Silvana Gargiulo so richtig ärgerte und am Schluss mit ihr flirtete bis sie wieder spielte. Das waren höchst amüsante 75 Minuten ohne Pause und sie gingen sehr rasch vorüber. Die Famiglia Dimitri verstand es, den Zauber von Dimitri weiter zu tragen.

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SI JAMAIS

Live: „Kriminell“ in der La Cappella am 3. Februar 2022

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Das Musik Comedy Trio, bestehend aus drei Frauen, spielte ein Stück zwischen Comedy und Melodrama, welches vor allem durch die Musik glänzte. Die drei Frauen, welche vorher ein Musiktrio waren, trafen sich im Gefängnis wieder, aus unterschiedlichen Gründen. Die Geschichte zeigte, wie sie versuchten aus dem Gefängnis zu kommen. Ob es gelang, muss man selber schauen gehen. Mehr zur Geschichte will ich hier nicht verraten. Die Geschichte ist unterhaltend und witzig gemacht aber ohne Tiefgang. Wahrscheinlich brauchten Si Jamais die Geschichte als roten Faden für ihre Musik. An den Instrumenten sind die drei Frauen hervorragend, Piano, Klarinette und Bassklarinette und auch der Kontrabass werden mit viel Können gespielt und man hört und merkt, dass hier Profis am musizieren sind. Die eigenen Lieder sind textlich etwas schwach, die bestehenden Songs, auch die etwas umgetexteten sind da einiges besser und die musikalische Umsetzung ein Genuss. Si Jamais sorgten auf jeden Fall für einen gemütlichen und amüsanten Abend.

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BÄNZ FRIEDLI

Live: „S isch kompliziert“ in der La Cappella am 26. Januar 2022

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Der Untertitel dieses Programms lautete „Bänz Friedli schafft Unordnung“ und so war es. In seinem fünften abendfüllenden Programm stand er wiederum alleine auf der fast leeren Bühne, einzig ein bequemer Sessel, ein Tischchen mit einem Buch und einem Kännchen Tee mit Teetasse standen noch da. Bänz Friedli erklärte gleich von Anfang „Bänz Friedli hat die Gruppe verlassen“, da er weder zu den Einen noch zu den Anderen gehören will und erklärte das am Beispiel vom Sport, von der Ernährung, von Corona und einigen Beispielen mehr. Ja es ist kompliziert sagte er mehrmals an diesem Abend. Er fokussierte sein Programm immer wieder auf Fragen und Themen die in Bern aktuell sind, wie das Kehrrichttrennsystem und dass die Container dann dort stehen wo heute die Velos stehen. Wo stehen die Velos dann? Er verglich die Jugendsprache von vor ein paar Jahren mit der von heute. So bewegte er sich von einem Thema zum anderen, vom Kleinen zum Grossen und zurück. Es war lustig und alles wahr und so blieb einem doch da und dort das Lachen im Hals stecken. „Krieg gibt es nur wegen Religionen oder wegen Erdöl“. Ein fiktives aber wahrscheinlich realitätsnahes Protokoll von der Bundesratssitzung vom 19. Januar war sehr lustig und endete mit der Aussage, dass dank keinem Entscheid des Bundesrates wir heute Abend im Theater sitzen können. Er stellte auch Fragen: „Lässt sich der Pizzakurier nach Feierabend eine Pizza kommen?“; „hast du schon einmal einer Floristin Blumen geschenkt?“. Paradoxien zeigte er auf. „Paradox ist wenn eine Umweltaktivistin ihr Handy auf Flugmodus stellt. Paradox ist auch wenn es Katzen hagelt und an jeder Strassenlaterne ein Plakat klebt mit einer vermissten Katze.“ Dazwischen las er aus seinem neuen Buch vor, verglich Fussball von Männern mit Fussball von Frauen und auch sonst fielen ihm immer wieder Vergleiche der Geschlechter ein. Was die Schweiz angeht und was nicht kam bei seinen Erklärungen über die Emirate und wo die Emire in der Schweiz bereits Besitztümer haben sehr deutlich zum Ausdruck. Sehr eindrücklich waren die kurzen Episoden, welche er von seinem Vater erzählte und sein Verhältnis zu ihm. Es waren wahre Worte. Tolle zwei Stunden, intensiv, lustig, nachdenklich von einem der besten Kabarettisten im Lande.

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Fredi Hallauer