DER BUNDESORDNER

Live von und mit Les Trois Suisses, Jess Jochimsen, Nils Althaus, Laurin Buser, Kathrin Bosshard, Lisa Christ, Anet Corti und Rebekka Lindauer im Theater National Bern am 25. Januar 2022

Bild Fredi Hallauer

Diesmal blickte der Bundesordner, ein satirischer Jahresrückblick gleich auf zwei Jahre zurück. Die Musiker*innen, Kabarettist*innen und Bühnenkünstler*innen boten eine grossartige Show. Teils waren sie alleine auf der Bühne, teils machten sie eine Nummer zusammen. Bereits der Start war genial, man sah alle Teilnehmenden in einer Videokonferenz. Jess Jochimsen stellte Überlegungen zu Corona und den sozialen Kontakten an. Les Trois Suisses spielten immer wieder in ihrem Zelt, wie das im Sommer ja so üblich war und nahmen oft bekannte Melodien mit neuen Mundarttexten. Lisa Christ hielt ein positives Referat über die tollen Möglichkeiten der Frauen heute nach 50 Jahre Frauenstimmrecht. Nils Althaus versuchte nicht schadenfreudig zu sein und Laurin Buser überlegte was er letztes Jahr gemacht hat. Rebekka Lindauer führte ins Zürcher Kunsthaus und erklärte den Bau und die Bührle Sammlung und Anet Corti glänzte als Viola Amherd welche über die Anschaffung von weiblicher Unterwäsche für die Armee informierte, der Vergleich mit den Flugzeugen wurde schnell offensichtlich, gekauft hat die Armee das Modell FA 35A. Es gab soviele gute Szenen und Texte, dass sie hier kaum aufzuzählen sind. Die Katze, gespielt von Kathrin Bosshard verliebte sich im Quarantäne Hotel in einen Kater und sang und spielte „Déshabillez-moi“ von Juliette Gréco.

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Die Wölfe hatten ebenfalls eine Zoomsitzung um zu beraten was sie gegen den Mensch machen könnten. Fragen wurden gestellt wie: Können Kampfjets Viren bekämpfen; oder hat das griechische Alphabet genügend Buchstaben. Herr Koch im Video oder Alain Berset konnten die Fragen nicht beantworten. Es war eine einzigartige Show und beste, bissige satirische Unterhaltung.

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REETO VON GUNTEN

Live: „2050“ im La Cappella am 12. Januar 2022

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Reeto von Gunten fand im Laufe seines Lebens heraus, dass es auch Vorteile hat, wenn man gewisse Sachen sofort erledigt, wie die Steuererklärung oder einiges sogar vorher erledigt. So hat er seine Tagebücher ab dem Jahr 2050 bereits geschrieben, sie handeln von der Zeit im Altersheim. Somit wurde dieser Abend ein Leseabend, wo er seine Tagebücher vorlas. Er erschuf ein paar Figuren als die sogenannte Gang im Altersheim und natürlich Direktor, Koch und weitere Personen. Die ganzen Geschichten waren sehr witzig und man durfte lachen an diesem Abend, aber eigentlich spiegelten sie die Problematik in den Heimen heute sehr genau. Die Gang hat hinten auf ihren Jacken den Namen „The hell is not hard enough for me“, sagt eigentlich schon viel. Aussagen in einem Streit, wo ein alter Mann sagt „Wissen Sie wie es ist den ganzen Tag dem Tod in die Augen zu sehen“ oder der Dialog zwischen Heimleitung und einem aus der Gang „Sie sind nicht zum Vergnügen hier“, „Stimmt“. So geht es pausenlos. Namen für das Altersheimkafi werden gesucht und die Gang macht treffende Vorschläge. Einer der Gang lacht sich buchstäblich tot. Viele lustige Streiche werden erzählt, vor dem Coiffeurgeschäft oder im Verkehrskreisel, was im Radio eine Verkehrsmeldung wegen Menschen auf der Fahrbahn auslöst. Dazwischen zeigte er kunstvolle Fotografien, welche direkt nichts mit der Geschichte zu tun hatten, mit etwas philosophischen Texten, welche beim Nachdenken den Zusammenhang sichtbar machten. Reeto von Gunten gehört mit diesem Programm zu den Besten der Schweizer Kabarettszene.

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DIE ROTE ZORA

Live: Theater – Musical im Winterzauber Thun am 2. Januar 2022 um 18 Uhr.

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Der Verein Winterzauber hat, mit einem Jahr Verspätung, aus bekannten Gründen, die Rote Zora als Theater Musical inszeniert und im Winterzauberzelt gespielt. Die Laienschauspieler*innen, bestehend aus Kindern, Jugendlichen, jüngeren und älteren Erwachsenen zeigten eine grossartige Leistung. Gerade diese Vorstellung war nicht gut besucht und es war sehr schwer vor einem kleinen Publikum zu spielen, erklärten mir nachher die Jugendlichen. Ein sehr schönes und eindrückliches Bühnenbild mit Meeresufer (echtes Wasser) und Ruderboot, Häuser und Gassen, verschiebbar und es erschien das Gefängnis oder die Burg.

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Es spielte eine vierköpfige Band, live im Hintergrund, und die Darsteller*innen sangen Solo oder im Chor dazu. Das Stück von Kurt Held wurde für diese Version bearbeitet und in Mundart übertragen. Alle Texte und Lieder wurden unverstärkt dargeboten und man verstand die Worte gut, bis zuhinterst im Zelt.

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Die Geschichte wurde spannend aufgebaut, hatte politische und wirtschaftliche Aussagen und wurde nie kitschig.

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Das Licht war schlicht, aber effektiv und immer am richtigen Ort. Alle Beteiligten boten eine Höchstleistung und wer es bis jetzt verpasst hat, kann sich diese tolle Produktion noch bis zum 8. Januar 2022 anschauen gehen, Tickets sind noch erhältlich. Mehr Infos unter http://www.winterzauberthun.ch

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SCHLUSS DAMIT! Eine satirische Jahresdiagnose

Mit Lisa Catena, Elisabeth Hart, Matthias Kunz und Rhaban Straumann

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Die Oltener Kabarett-Tage präsentierten mit den vier Kabarettist*innen einen Jahresrückblick mit Biss und Witz. Die vier Künstler*innen traten in den verschiedensten Formationen auf. Sie spielten verschiedenste Szenen, welche dann später wieder aufgenommen wurden. So war eine Talkshow zu sehen, welche sehr der Arena glich, dann die beiden alten Männer von Strohmann-Kauz, eine Geschichte in zwei Akten von zwei Paaren, eines in Deutschland und eines in der Schweiz, oder das Personalgespräch mit dem Jahr 2021. Aber auch Einzelnummern und Solonummern und Geschichten wurden erzählt. Selbstverständlich fehlte auch der Freiheitstrychler nicht. Die Nummern waren abwechslungsreich, hatten Niveau und Inhalt und boten eine gute Unterhaltung. Viele Fragen wurden thematisiert von der Pandemie, der Impfung, Klimawandel, CO2 Initiative, Containerschiffe im Suezkanal, Ehe für alle, der verregnete Sommer und noch viel mehr. Die vier Künstler*innen boten eine 90minütige Schlag auf Schlag Abrechung mit dem Jahr 2021, auf eine gute, kabarettistische Art mit Niveau.

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LIEDERLICHE WEIHNACHTSZEIT

Live: mit Reto Keller, Uta Köbernick, Manuel Stahlberger und Stefan Waghubinger am 20. Dezember in der La Cappella

Um es klar zu stellen, Liederlich bezieht sich auf Lied und nicht auf Weihnachten. Reto Zeller als Initiant dieses Abend startete mit einem Lied „Warum bisch cho“, in dem er alle Möglichkeiten auscheckte. Er platzierte einen witzigen Zwischentext und sang ein weiteres Lied welches es ebenso in sich hatte.

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Es folgte Uta Köbernick mit Liedfragmenten, Textfragmenten, Musikstückfragmenten, welche einem absichtlich in der Offenheit hängen liessen. Sie war quirlig, witzig und ziemlich schräg.

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Eine schöne Schilderung einer Familienweihnacht, bei welcher der Sohn nicht kam und die Tochter immer noch kein Kind erwartete, sie hatte auch keinen Freund, sang Manuel Stahlberger. Er verstand es diese Situationen sehr pointiert zu beschreiben. Der Satz „Wenn man keine Grosskinder bekommt, haben sich die eigenen Kinder gar nicht gelohnt“ zeigt etwas von Stahlbergers Bissigkeit.

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Als letzter des Quartetts kam Stefan Waghubinger aus Österreich zum Zuge. Er philosophierte über Angst, über Zukunft und einiges mehr. Sein Satz „Die Zukunft rast an einem vorbei und plötzlich hast du mehr Zukunft hinter dir als vor dir“, zeigt etwas von der Art seiner Weisheiten.

Nach der Pause waren immer alle Vier auf der Bühne und sie wechselten sich ab und machten ein Teil der Lieder zusammen, oder unterstützen sich musikalisch. Reto Zeller las einen Text zu Homeschooling aus der Sicht eines Sekundarschülers, Uta Köbernick flötete ein polnisches Weihnachtslied, Stefan Waghubinger erzählte warum und wie er eine Krippe bastelte aus einem Hamsterkäfig und Manuel Stahlberger sang das Lied vom Besuch seines ersten Fussballspiels St. Gallen – GC. Alle vier Künstler*innen waren sehr gut und überzeugten. Viel intellektuelles, aber auch Blödsinn zum Nachdenken wurde geboten. Uta Köbernick sagte: „Sind die Herzen kalt, brauchst du Kerzen halt“. Genial und witzig waren die Diashows von Manuel Stahlberger, welche er immer wieder einflocht. Ein Schlusssatz von Stefan Waghubinger „Wenn einem die Wahrheit begegnet musst du weiterträumen“.

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JOACHIM RITTMEYER

Live: „Spazirrgang in der Naherholungszone“ in der La Cappella am 4. Dezember 2021

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Joachim Rittmeyer kam auf die Bühne und erklärte, dass er sich eine ganz normale Lesung eines Autors ausgedacht habe. Am Anfang ging alles gut. So begann er eine Geschichte zu lesen von Paaren die sich trafen und nicht zu spät heimwollten. Es waren da sehr genaue Beobachtungen dabei, eben die Naherholungszone. Dann fehlte dem Autor die letzte Seite. Um die Wartezeit zu überbrücken bis die Seite vieleicht kam liess er verschiedenste Figuren entstehen und auftreten, las Gedichte, sang Lieder und erzählte die verschiedensten Sachen. Auch Herr Brauchle tauchte noch auf. Joachim Rittmeyer verstand es Geschichten aus dem Alltag, leicht skurille Situationen bis hin zu dadaistischen Impressionen zu einem Ganzen zusammen zu fügen, damit zu unterhalten auf eine intellektuelle Art, welche trotzdem nicht nur kopflastig war. Er zeigte damit, dass er zu den grössten Kabarettisten unserer Zeit zählt.

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LES TROIS SUISSES

Live: „Vagabund“ in der La Cappella am 27. November 2021

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Die Beiden von Les Trois Suisses kamen in fremden Kleidern auf die Bühne und spielten mit Gitarre und Banjo in Strassenmusiker Manier. Als Resli den Hut nahm und beim Publikum Geld wollte, blockte Pascal ab und langsam kam die ganze Geschichte aus. Da eine Band im La Cappella ausgefallen war, engagierte Christoph die beiden von der Strasse weg. Die Kleider waren zu schmutzig, so wusch er ihnen die Kleider, welche sie dann später anzogen. So erzählten die beiden vom Strassenmusiker Leben, natürlich mit vielen Liedern und Songs illustriert. Da in Paris das Chanson lebt, übernahm Pascal „Ne Me Quitte Pas“ von Jaques Brel und machte daraus „Bruch e Kita Platz“. Die beiden musizierten und plauderten sich witzig durch den Abend, reihten Hits an Hits in Original Version oder abgeändert, je nachdem. Nach der Pause zeigten sie Bilder aus ihrem Strassenmusikerleben angefangen von den Höhlenbewohnern, über die Ägypter, zu den Galliern, den Griechen bis heute. Viel Witz, Spass und gute Musik einen Abend lang, was will man mehr.

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THEATER FLEISCH + PAPPE/KATHRIN BOSSHARD

Live: „Unter Artgenossen“ im Visavis am 26. November 2021

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Es war ein grossartig Abend mit Puppenspielkunst der Spitzenklasse. Kathrin Bosshard betrat die Bühne auf der alle Handpuppen bereit waren, auf Stühlen und Sofas, aber noch vom Publikum weggedreht. Nur das Gänsemädchen las gerade im Struwelpeter. Die Puppenspielerin betrachtete zuerst jede Figur, jeden Charakter und lächelte sie an, oder machte ein bedenkliches Gesicht je nachdem. Langsam kamen die Figuren, alles Tiere mit sehr viel menschlichen Zügen zum Einsatz. In der ersten Runde stellten sie sich vor und dann begann die Geschichte, welche in einem Miethaus handelte in dem auch der Vermieter wohnte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mehr von der Geschichte sei hier nicht verraten. Wichtig ist das Handwerk von Kathrin Bosshard, welche mit schnellen Wechseln zwischen den Figuren hantierte und mit ihrem Mundwerk ihnen den Charakter verlieh. Es wurde Deutsch gesprochen, Deutsch mit slawischem Akzent, mit Schweizer Akkzent und in den verschiedensten Stimmlagen und Ausdrucksformen. Am verrücktesten war die Hyäne, welche nur mit Geräuschen und Lachen sprach und man verstand sie. Ich glaube Kathrin Bosshard gehört zu den Besten weit und breit. Es gäbe noch viel zu schreiben aber sie selber zu erleben ist viel aussagekräftiger als jeder Text.

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ASS-DUR

Live: „Quint-Essenz“ in der La Cappella am 22. Oktober 2021

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Das deutsche Brüderpaar Wagner sind Ass-Dur. Zwei Männer, zwei Musiker, zwei Pianisten, zwei Violinisten, aber nur einer erzählte schlechte Witze, wo man trotzdem lachen konnte. Ass-Dur verstanden es das Publikum abzuholen mit Humor, Witz, musikalischer Virtuosität und vielen sonderbaren und genialen Einfällen. Ein musikalisches Corona Tagebuch führte durch viele bekannte Popsongs mit abgeänderten Texten und Titeln wie z.B. „Final Lockdown“ oder „Distancing Queen“. Aber sie spielten auch einige Stücke aus der Popwelt mit der Überlegung wie hätte das bei Mozart oder Beethoven getönt. Sie standen dauernd gegeneinander im Wettbewerb, und veranstalteten eine Challenge, wo das Publikum mit La-la-la Lieder singen musste, welche eine Zuhörerin auf Zettel geschrieben hatte ohne zu wissen um was es ging. Die Brüder mussten es heraus finden. Es war witzig und spannend für alle Beteiligten. Nach einem kleinen Streit wer Geige und wer Klavier spielt, einigten sie sich, dass beide Beides spielen, also dass sie sich Klavier und Geige gleichzeitig teilen. Es klappte und sie spielten den „Czardas“ von Vittorio Monti.

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Als Zugabe liessen sie das Publikum sitzend tanzen, auch das funktionierte. Ass-Dur muss man erlebt haben, das ist kaum zu beschreiben wie umwerfend die Beiden sind.

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DUO LUNA-TIC

Live: „Heldinnen!“ in der La Cappella am 13. Oktober 2021

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Der Untertitel des Programms lautete „Olli und Claire spielen Antigone. Fast“. Mit diesem Untertitel ist eigentlich schon fast alles gesagt oder eben noch viel offen, wie es auch beim Stück ist. Die beiden Frauen wollten Antigone aufführen und versuchten das seriös, mit einigen Brüchen ins Hier und Jetzt. Beide wollten Antigone sein, versuchten das Drama aufzulockern mit anderen Liedern, strauchelten und begannen neu. Erzählten die Geschichte, liessen ziemlich alles weg und wurden immer komischer und lustiger. Vor der Pause bekamen sie Streit und nach der Pause stand Olli alleine auf der Bühne und wollte nochmals beginnen, aber diesmal alles auf französisch. Es nahm aber dann doch eine andere Wendung. Das Stück überzeugte mit Spielwitz, hoher Musikalität, Aussagen und höherem Blödsinn, aber auch die Form Tragödie wurde hinterfragt. Der Schlussatz oder Kernsatz des Stücks war „Folgt dem Gesetz eures Herzens“. Das war wirklich Kleinkunst ganz gross.

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