Live: „Die Souffleuse“ im Casino Theater Burgdorf am 23. Februar 2025
Bild Kathrin Hallauer
Das war der dritte Streich von Hanna. Dieses Mal war sie Souffleuse in einem Theater und wohnte gleich unter der Bühne. Sie bekam nicht mit, dass dies die letzte Vorstellung im alten Theater war und morgen die erste Aufführung im neuen Theater stattfinden soll. Als sie es merkte, war sie traurig. Doch dann wurde sie zuversichtlich und sie packte ihr Köfferchen und verliess ihre Wohnung unter der Bühne.
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Dies war ein wunderschönes Stück von Hanna. Gardi Hutter schöpfte ihre ganzen Fähigkeiten der Clownerie, von Slapstick und von Poesie aus. Hanna spricht nur sehr wenige Worte, der Rest der Kommunikation ist Mimik und Gestik. Es ist unglaublich, was sich Gardi Hutter alles einfallen liess. Schon das Bühnenbild ist umwerfend, dann das Bett, welches selbst zusammenklappt. Eine Lachnummer nach der anderen. Der Schluss, als sie auf die Bühne heraufsteigt, ist sehr poetisch und dadurch herzerwärmend. Auch dieses Stück muss man gesehen haben.
Live: „Auf Kurs“ in der La Cappella am 16. Februar 2025
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Christoph Simon startete sein neues Programm. Er erzählt eine Geschichte von einem kreativen Malkurs auf der Alp. Die Alp gibt es und wahrscheinlich gelingt es ihm darum, alles so detailgetreu zu schildern. Dass er Menschen genau schildern kann, weiss man. So erzählt er dann von sich als Hüttenwart, dem Kursleiter, vier Teilnehmer:innen, einem jungen Bauern und seiner Grossmutter. Alles ist sehr lebendig, witzig und immer genau beobachtet und geschildert. Ich erzähle die Geschichte hier nicht, sonst geht der Reiz verloren. Die Figuren vertreten alle verschiedenen Aspekte in unserer Gesellschaft. Auffallend ist, dass Christoph Simon dieses Mal mit viel Bewegung und Gestik arbeitet. Dadurch wird alles noch viel lebendiger. Man erkennt ihn fast nicht mehr im Vergleich zu den früheren Programmen. Christoph Simon versteht es, mit Worten zu spielen, aber auch gute Aussagen in die Geschichte einzubauen. Da ist als Beispiel die Aussage: „Wer etwas erreichen will, der schafft es.“ „Nein, das ist Blödsinn. Wer etwas erreichen will, der kann es unter günstigen Bedingungen vielleicht schaffen“. Der Kabarettist Christoph Simon zeigt mit diesem Programm einmal mehr, dass er zu den Besten in seinem Fach in der Schweiz gehört. Sein Programm ist unterhaltsam und humorvoll, gibt aber auch immer wieder zum Nachdenken Anlass.
Live: „Over And Out“ in der La Cappella am 31. Januar 2025
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Zuerst ein paar Facts: Nina Wägli war Flight Attendant, sie hat einen Mann und drei Kinder. Warum stelle ich das voran? Weil, wenn man das weiss, macht das Programm Sinn, bzw. man versteht alles besser. Also zuerst sah man einen kurzen Film mit Nina Wägli auf einer Kuh reitend, mit Flügeln an. Die Kuh tat blöd und Nina Wägli flog Kopf voran von der Kuh. Dann trat sie auf die Bühne, mit einem Arm in der Schlinge. Sie erzählte, wie sie gern flog und darum mit 18 Flight Attendant wurde. Es folgen Geschichten aus diesem Beruf mit echten Fotos. Sie flog und shoppte. Dann kam das Swissair Grounding und auch sie war am Boden. Sie würde gern wieder fliegen, aber das darf man ja nicht mehr. Sie erzählte, wie die Kinder ihr vorhalten, wie sie das Klima zerstört hat. Nun schaute sie genau hin. Da kommen Kindergeburtstage als Klimaschädling zutage. Kinderspielzeug, ihre Kleider, das ganze Geld für ein Hobby. Sie spricht in kurzen Filmen mit einer grünen Nationalrätin, einem Bauern und weiteren Leuten über das Klima. Eigentlich normale Fragen, die Antworten sind doch etwas Realsatire. Ein Umweltberater sagte ihr, dass man ihre Strings nicht recyceln kann, da es Elastan darin hat, so machte sie eine 25 Meter lange Wimpelkette daraus. Sie hing nach der Pause in der La Cappella. Nach der Pause kam sie als Gründerin einer Airline auf die Bühne, welche mit Kerosin aus Kuhmethan und Menschenfürzen fliegen will. Es soll funktionieren, man könnte das machen, aber zu teuer. Es folgen Fragen über Fragen, wie wir das Klima schützen könnten oder sollten wir es doch sein lassen. Nina Wägli legte ein tolles und aufwendiges, sehr unterhaltsames Programm mit Tiefgang hin. Sie hatte verschiedenste Kostüme, Kleiderberge, viele kurze Filme, sie sang und spielte grossartig. Nina Wägli zeigte mit diesem Programm, dass das gute Kabarett weiterlebt. Weiter so.
Live: „So ein Käse“ Casino Theater Burgdorf am 26. Januar 2025
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Dies war der zweite Streich. Das Stück „So ein Käse“ hatte zwei Teile mit einer Pause, da das Bühnenbild umgebaut wurde. Gardi Hutter war eine Maus, welche vom Käse in der Falle träumte, aber auch die Ahnengalerie anschaute von all den Familienmitgliedern, welche in der Mausefalle zu Tode kamen. Rund um dieses Thema spielte sie mit witzigen Ideen, ohne die Mausefalle zu betreten.
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Eigentlich war dieser Teil etwas zu lange, denn die Ideen wiederholten sich oder waren nicht mehr so gut. Nach der Pause wohnte die Maus in der Mausefalle und hatte sie gemütlich eingerichtet. Da wurde es dann richtig lustig, mit vielen witzigen Ideen, der Maus wurde es langweilig. Dann erschien der Vollmond und die Maus meinte, es sei ein Käse. Sie suchte grosse Männer im Publikum, alle Leute mussten aufstehen. Sie fand ein paar grosse Männer, welche sich aufeinander stellen sollten, um den Käse vom Himmel zu holen. Plötzlich war nur noch Halbmond. Die Maus tobte, wer den Käse gestohlen hatte, und rannte im Saal herum und sperrte die Türen. Am Schluss hantierte sie ungeschickt in der Mausefalle herum und sie schnappte zu. Der zweite Teil war lebendiger und lustiger als der erste. Im ersten Teil hat die Maus auch zu viel wirklich gesprochen, der zweite Teil war poetischer, frecher und turbulenter. Aber über die ganzen 80 Minuten gesehen war es ein toller Abend.
Live: „Bänz Friedli räumt auf“ in der La Cappella am 23. Januar 2025
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Er trat auf die Bühne und startete gleich mit, mein Name ist Eugen. Kam dann auf die Politik der Stadt Bern zu sprechen und auf die Premiere an welcher die neue Stadtpräsidentin und der ehemalige Stadtpräsident und nun Gemeinderat anwesend waren. Man hätte sie weit voneinander hingesetzt, Ausschreitungen hätte es keine gegeben. Er erzählte von Klaus Schädelin, dem Verfasser von Mein Name ist Eugen und seiner Kinderzeit. Kam zu den Bundesräten, aktuellen und bisherigen, natürlich auch auf die Bewerber für den freien Bundesratssitz. Der Fussball fehlte so wenig wie die Weltpolitik, Klimaschutz, die Halbierungsinitiative und weiteren Themen. Ich glaube, das ist die x-te Version des Programms, weil sich das Geschehen so rasch entwickelt und Bänz Friedli immer nur topaktuell erzählt. Neben politischen Erklärung fehlten auch philosophische Gedanken nicht. Er sagte, dass die Poesie des Scheiterns notwendig ist und wir uns alle informieren sollen und darüber reden und streiten und nicht die Informationen einfach wegsperren und keine Zeitungen mehr lesen, TV schauen und Radio hören. Er las aus seinem Buch, erzählte von den Zeiten als Musikjournalist und stellte sich vor, wie eine mögliche Enkelin in 25 Jahren mit ihm reden würde. So räumte Bänz Friedli auf, in seinem Leben, indem er viel daraus erzählte. Ein wirklich roter Faden war nicht zu erkennen, war aber auch nicht wichtig. Er bot beste intelligente Unterhaltung und könnte seine Programme auch einfach nummerieren. Empfehlenswert.
Live: „Die grosse Weihnachtsshow“ in der La Cappella am 15. Dezember 2024 um 13 Uhr
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Das deutsche Musikbrüderpaar stand mit einem Weihnachtsprogramm auf der La Cappella Bühne und das bereits am Nachmittag um 13 Uhr. Die beiden sind diese Zeit nicht gewohnt und so versprachen sie sich oft und sagten „Abend“ statt „Mittag“. Sie starteten mit dem Flöten von drei Weihnachtsliedern, genauso, wie es an mancher Familienweihnacht tönt. Dann kam ihr übliches Geplänkel, wer von ihnen jetzt, was darf, sie spielten Schere, Stein, Papier und erzählten die gleichen Witze wie beim Programm „Celebration“. Überhaupt war im ersten Teil sehr viel gleich, manchmal etwas weihnächtlicher gefärbt. Der eine spielte auf dem Klavier Weihnachtslieder im Stil von grossen Komponisten. Sie sprachen relativ lange dazwischen, improvisierten, fielen aus ihren Rollen und machten einige Insiderwitze, welche für sie beide lustig waren. Dann kam das Wörtersammeln für ein Lied für den zweiten Teil. Da wusste das Publikum nicht gescheiteres als möglichst unbekannte Dialektworte zu sagen wie „Buttitschifra“ oder eine Frau warf das Wort „Frauentampon“ in die Runde. Die beiden machten sich dann auch über jedes Wort lustig wie Büsi, Zwänggrind, YB oder Ligu Lehm und so wurde dieser Teil sehr lange, bis sie über zehn Worte hatten. Nach der Pause wurde gleich dieses Lied gesungen, das Publikum wünschte Rockabilly, die Künstler kannten das nicht und so wurde dann der Text gerappt und ein Rock’n’Roll darunter gelegt. Es war erstaunlich, was die beiden aus diesen Worten gemacht hatten, und das Ergebnis liess sich wirklich hören.
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Dann kam das Krippenspiel oder besser eine Art Krippenoper, mit eingespielter Musik und die beiden sangen als Josef und Maria und dann noch als Engel. Darauf musizierten sie noch, zogen sich beim Klavierspielen um (auch aus den anderen Programmen bekannt) und als Zugabe kam dann noch „Tanzen im Sitzen“, eine witzige Nummer, aber auch schon bekannt. Es war an sich ein gutes Programm, wenn man die anderen Programme kennt, hatte es zu viele Gemeinsamkeiten.
Am Anfang trat ein einsamer und zotteliger Clown auf die Bühne und zog ein Seil nach. Er spielte damit und nahm dann die Schlinge um den Hals. Er zog ruckartig am Seil und da erschien am anderen Ende ein weiterer Clown mit einer Schlinge um den Hals. Die beiden wurden Freunde. Es ging zuerst sehr poetisch weiter und plötzlich standen sechs Clowns auf der Bühne. Sie erzählten eine Geschichte ohne Worte, von einem Bahnhof, wo kein Zug kam und da geschah allerlei. Überschwemmung, Regen, Schnee und sogar ein währschafter Schneesturm, welcher auch das Publikum bis zuhinterst betraf. Den Zug hörte man immer wieder und man roch die Dampflokomotive sogar. Der zweite Teil hatte ein etwas zu langes Solo von Slava, wunderschön poetisch, aber etwas zu fein auf die Länge. Man wurde beregnet, beschneit und als Abschluss, als der Zug kam, flogen unzählige grosse Ballonbälle durch den Zuschauerraum von 50 cm bis 2 m Durchmesser. Das Publikum spielte leidenschaftlich damit. Überhaupt wurde das Publikum ausgezeichnet einbezogen. Das Stück war sehr speziell, manchmal skurril und es war nicht immer klar, was war Traum, was Wirklichkeit war. Kaspar Fischer sagte, geniesse einfach den Moment, du musst nicht alles verstehen, das taten, wir auch und es war ein grosser Genuss.
Live: „Die tapfere Hanna“ im Casino Theater Burgdorf am 30. November 2024
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Gardi Hutter ist auf Schlusstournee mit ihren vier Programmen. Heute wurde das erste Programm „Die tapfere Hanna“ in Burgdorf nochmals aufgeführt. Auf der Bühne lag ein riesiger Kleiderhaufen, stand ein Brunnentrog und darauf ein Waschbrett, zusätzlich war eine Wäscheleine gespannt. Aus dem Wäschehaufen und dem Waschtrog kamen während des Stücks immer wieder neue Gegenstände zum Vorschein. Die Wäscherin Hanna trat mit dem Buch „Jeanne d’Arc“ auf die Bühne. Sie wusch sich minimalistisch am Trog und las in ihrem Buch. Sie wusch Wäsche und kam immer wieder ins Träumen, sie war Jeanne d Arc, manchmal auch Don Quichotte, ritt auf dem Kleiderhaufen, kämpfte mit allem gegen alles und trat in jedes Fettnäpfchen, nicht nur symbolisch.
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Trotzdem stand sie aus jeder dummen Situation gestärkt da. Sie lachte mit und über das Publikum, sie spielte absolut absurde Szenen, manchmal auch bitterböse. Hanna sprach keine Worte (mit zwei, drei Ausnahmen), sondern brabbelte etwas und gab emotionale Laute von sich. Man konnte einfach nur dasitzen und sich mitnehmen lassen in die Realität und die Träume der tapferen Hanna. Grossartig.
Live: „Zärtlechi Zunge“ in der La Cappella am12. November 2024
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Die beiden Künstler traten auf die Bühne, und Simon Ho setzte sich gleich an den Flügel und begann zu spielen. Wenig später setzte Pedro Lenz mit Lesen ein. Sein erster Text handelte von den vielen Schildern, die man an Gartenzäunen und auf Balkonen sieht, wann welches Kind geboren ist. pedro lenz machte sich verschiedenste Gedanken darüber, darunter auch die Frage: Wer hat die vielen Tiere gebastelt? Simon Ho spielte durchgehend, mit einer Ausnahme, aber immer etwas gleichförmig. Er vertonte die Texte nicht, er untermalte sie einfach. Manchmal war er auch etwas laut. Der Abend bestand aus gelesenen Kurzgeschichten, die sehr genial waren. Ein Teil der Geschichten war lustig, andere auch wieder besinnlich. In einer Geschichte ging es um den Durst und wie man ihn konstruktiv in den Griff bekommen könnte. Oder die Diskussion zwischen zwei Schülern, welche seltsame Rollen im Schultheater hatten, nämlich Schneeflocke und Geranium. Simon Ho spielte nicht bei dem Text um Leben und Sterben. „Cho isch wie Go und Go isch wie Cho, zum Cho und Go sötsch lo go. Ein sehr schöner und besinnlicher Text. Pedro Lenz zeigte wieder einmal seinen Wortwitz, seine Wortspielereien und sein Flair einfachen Alltag in Texte zu bringen. Ein schöner Abend.
Die beiden Künstler:innen aus St. Gallen traten zum ersten Mal gemeinsam auf. Gemeinsam hiess in diesem Falle wirklich zusammen, es waren immer beide auf der Bühne und viele Nummern präsentierten sie zusammen oder interagierten. Sie begannen französisch, weil sie die französische Schweiz erobern wollen, aber bis mehr als Bern liegt nicht drin, da ihr Französisch zu schlecht ist. Sie telefonierten dann miteinander auf Französisch nach dem Schullehrmittel und dazu hatten sie lustige Zeichnungen. Es folgte ein Lied und dann präsentierte Manuel Stahlberger sein Poesiealbum. So wechselten sie mit Texten, Cartoons und Liedern ab. Manuel Stahlberger spielte Gitarre und das Keyboard, Julia Kubik das Keyboard und Saxophon. So erzählten sie im Laufe des Abends von St. Gallen, vom Filmemachen, von der Werbung, eine Geschichte vom Igel, von der Kunst und vielem mehr. Das meiste war höherer Blödsinn, aber sehr lustig. Es war ein Abend, wo man das Publikum herzlich lachen hörte. Ein schöner, unbeschwerter Abend.