LES TROIS SUISSES

Live: „Beiz“ in der La Cappella am 25. April 2024

Bild Kathrin Hallauer

Die zwei von Les Trois Suisses feierten die Premiere mit ihrem neuen Programm „Beiz“. Wie zu erwarten, ging es um Gastronomie, Essen, Kochen, Stammgäste und das ganze natürlich auch häufig mit Musik umgesetzt. Die erste Hälfte sprudelte von Ideen und vielen witzigen Pointen, auch gelegentlich mit gesellschaftskritischen Seitenhieben. So erklärten sie, dass eine weltweite Umfrage mit der Frage: „Bitte nennen Sie uns Ihre Meinung zum Nahrungsmangel im Rest der Welt“, ein Flop wurde. Die Deutschen verstanden das Wort „Bitte“ nicht, Afrika hatte mit dem Wort „Nahrungsmangel“ mühe, die Russen wussten nicht, was Meinung bedeutet und die Amerikaner konnten sich nichts unter dem Rest der Welt vorstellen. Aber auch diese Aussage sass, Katholiken gehen beichten und die Reformierten schliessen Versicherungen ab. So wurden die Eagles Hotelbesitzer vom Adler und zweit Besitzer vom Hotel California, was natürlich gespielt und gesungen wurde. Ebenfalls in Songs wurde Get Back zu Gebäck, oder Stir It Up zu Stier isch ab. Alle diese Sachen und noch mehr, die sassen und man konnte lachen. Dazwischen kamen dann ein paar sehr alte Witze und sie spielten Sketche aus dem Restaurant, welche eher an einen Pfadfinder Unterhaltungsabend gehörten.

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Der zweite Teil nach der Pause war dann eine Wiederholung des ersten Teils, wieder diese Sketche, alte Witze und noch ein paar Songs mehr, welche gut waren. Lustig war dort auch die Nummer über Unwohl fühlen an Konzerten, wegen kultureller Aneignung, Gender und anderen Problemen.

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Das Programm war in der ersten Hälfte ausgezeichnet, in der zweiten Hälfte etwas ermüdend. Aber es war die Premiere, vielleicht kommt es ja noch besser.

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Fredi Hallauer

URSUS WEHRLI

Live: „Heute habe ich beinahe was erlebt“ in der La Cappella am 2. April 2024

Bild Kathrin Hallauer

Dies war zugleich die Berner Premiere und die Berner Derniere, wie es Ursus Wehrli zu Beginn selber sagte. Es war eine Lesung aus seinem Büchlein mit dem Programmtitel. Darum herum erzählte er mögliche Geschichten aus dem Leben, machte Pantomimen, Schlagzeuger zu Popmusik, zeigte Bilder aus dem Büchlein, „Dinge, die man nicht braucht“ jonglierte oder räumte das Gedicht „Vom Mond“ von Johann Wolfgang von Goethe auf. Das zentrale Programm hatte viele gute Pointen, aber auch Längen, es war rein von der Aufnahmefähigkeit, zu viel Text und das ohne Pause. Die Lacher wurden immer weniger. Bei einem 90-minütigen Programm hätte eine Pause gutgetan. Ursus Wehrli hatte viele tolle Ideen und seine Tagebucheinträge lauteten zum Beispiel so: „Heute hat mich die Muse geküsst, dabei kenne ich sie gar nicht“, oder „Nach dem Frühstück beschloss ich zu fasten, nach zwei Stunden brach ich das Fasten ab, da ich Hunger bekam“, auch „Heute spielte ich verstecken, es fand mich niemand“. Sehr lustig war auch die Geschichte, wie er seine CDs einordnet, z.B. in die Kategorie „Tote Kleidungsstücke“ dort findet man die Toten Hosen, oder „Essen“ dort findet man Cake, Meat Loaf oder Sophie Hunger, lustig ist auch „Krankheiten“ da gibt es Withney H(o)usten, Madness, Stress und die Ärzte. Nach der Vorstellung sagte vor der Tür eine Frau zu einer andern, „gewisse Pointen waren sehr cool, aber sonst na ja“.

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Fredi Hallauer

SALON MORPHEUS

Live: Premiere „La petite mort“ in der La Cappella am 7. März 2024

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Die sinnliche Varieté- Theater Show Salon Morpheus ist mit neuem Programm unterwegs. An diesem Abend feierten sie ihre Premiere in der La Cappella. Der Regisseur und Impresario Teka (Thomas Kaufmann), war nur kurz auf der Bühne zu sehen. Ansonsten führte Mona Gamie, die Conferancière und Drag Queen durch das Programm, sagte das Wesentlichste und sang einige Lieder, meist Cover aber teils ins Schweizerdeutsche adaptiert.

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So begann dann auch die Show. Es ging um den kleinen Tod, oder den Höhepunkt,  der Ekstase, oder den Orgasmus. Das wurde immer wieder mehr oder weniger direkt und oft auch zweideutig angesprochen. Der Pianist Monsieur Simon, wurde vorgestellt als Mann mit geschickten Fingern, mit denen er auch Klavier spielen kann. Um erotisch einzuheizen trat dreimal die Burleque Tänzerin Minouche von Marabou auf.

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Ihre Show war gut, aber etwa jedesmal sehr ähnlich. Dazwischen gab der Sidekick Lucid Allan selbstironische und spitze Bemerkungen zum Besten. Der Akrobat Patrick McMaster zeigte seine Kunst, wobei auch er sich im ersten und zweiten Teil wiederholte.

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Im ersten Teil war die Clownin Isabelle La Belle sehr lustig. Sie zog sich einen Meerjungfrauen Schwanz auf der Bühne an und machte allerhand Situationskomik damit. Im zweiten Teil überzeugte sie nicht mehr.

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Vor der Pause erklärte Mona Gamie klar, dass sie keinen Mann mehr will, denn auf den kleinen Tod folgt der grosse Tod. Nach der Pause wollte sie doch einen kleinen Tod und erklärte, dass man kleine Grundsätze über Bord werfen darf, wie Lift nehmen statt Treppe, etwas Süsses essen, wieder rauchen oder eben Sex haben. Den grossen Prinzipien muss man treu bleiben, nämlich den Vormarsch der Rechtspopulisten in Europa stoppen. Die Töne AFD tönen auf dem Klavier schrecklich und die Töne SVP existieren zum Glück auf dem Klavier nicht. Das war ein sehr starkes Statement. Ansonsten war der zweite Teil etwas langfädiger, ja sogar langweiliger und vor allem fanden sie den Schluss fast nicht. Tolle Unterhaltung, schön schräg, aber etwas lange.

Fredi Hallauer

GILBERT & OLEG

Live: „Illusion oder Wirklichkeit“ in der La Cappella am 2. März 2024

Bild Kathrin Hallauer

Das Duo ist bekannt, häufig spielen sie bei ihrem Wagen und ihrer Bühne, nun sind sie aber auf Kleintheaterbühnen unterwegs. Gleich beim Eingang konnte man eine Illusion zu einem Thema auslesen. Das Programm hatte folgende Anlage, Sternstunde Philosophie sucht neue Moderator:innen und Gilbert und Oleg wollten sich melden. Sie machten nun einen live Versuch um zu schauen was funktioniert und was nicht. Das Muster der beiden ist auch bekannt, Gilbert gibt den Seriösen und Oleg plappert dauernd rein, ist ungeschickt, will etwas vorführen, vergisst den Text etc, also die beiden Clowns. Bei Gilbert und Oleg ist das sehr lustig und Muskelkater der Bauchmuskulatur nach einem solchen Abend vorprogrammiert. Die beiden ziehn wirklich alle Register von Magie, Musik und Poesie. Es wird mit kleinen Zaubertricks gespielt, Pantomime, Musik mit Publikumsbeteiligung, Masken, Verkleidungen, Puppen und Schattenspiel plus noch dies und das werden eingesetzt.

Bild Kathrin Hallauer

Höherer Blödsinn, ein bisschen Philosophie über Illusionen praktisch gezeigt, und ganz viele lustige und gute Ideen, sorgten für die beste Unterhaltung. Die ganze Geschichte ist hier absichtlich nicht verraten und auch nicht was mit den Illusionskarten geschah.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

THE LION KING

Live: Theater 11 Zürich am 13. Februar 2024

Bild Copyrights Disney

Das Disney Musical wurde vor neun Jahren in Basel aufgeführt, nun ist es nach unzähligen Stationen auf der Welt wieder in der Schweiz, in Zürich. Es ist eine grandiose Show mit über 50 Darsteller:innen und Tänzer:innen, dazu kommt das Orchester und einiges mehr. Sehr faszinierend waren die Kostüme und Bühnenbilder. Kostüme ist untertrieben, es waren Figuren, Puppen und riesige Masken. So marschierten zum Auftakt Löwen, Giraffen, Zebras, Gnus ja sogar Elefanten in Originalgrösse auf die Bühne. Der afrikanische Gesang und die passende Perkussion von zwei Perkussionisten in der Beleuchterloge, rissen einem fast aus den Sitzen. So entwickelte sich die bekannte Geschichte. Der Elefantenfriedhof war so beeindruckend wie die Steppe. Die Hyänen wurden ebenfalls sehr eindrücklich gespielt. Dazwischen kam auch der Humor durch, als z.B. der Nashornvogel Zazu vom Löwenkönig zum Spass entlassen wird, jammert der und sagt, „nein ich will nicht zurück nach Basel“. Auch Rafiki der alte, weise Pavian, macht das eine oder andere Spässchen. Das internationale Ensemble zeigte Höchstleistung und Spitzenklasse. Nach der Pause wurde das Stück etwas ausgedehnt, was aber nicht am Ensemble sondern am Autor lag. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist, dass nicht alle bekannten Melodien des Films im Musical vorkommen und bestenfalls angetönt werden. Das waren zweieinhalb Stunden hervorragende Unterhaltung, Faszination und ein Eintauchen in eine andere Welt und aus dem Alltag.

Bild Copyrights Disney

Fredi Hallauer

MÜSLÜM

Live: „Helfetisch“ in der La Cappella am 10. Februar 2024

Bild Kathrin Hallauer

„Mit einer Viertelstunde Verspätung trat zuerst Raphael Jakob,  der Gitarrist auf die Bühne und überzeugte während des ganzen Abends mit seinem Spiel auf der akustischen Gitarre. Ein paar Takte später kam dann Müslüm, der Süperimmigrant, wie er sich selbst betitelt. Er erzählte zuerst, wie es schwierig ist als Ausländer in der Schweiz und noch schwieriger ist es wenn das Publikum in Appenzell in Tracht, lauthals singt, „Ich bin ein Ausländer“. Das wollte er nicht. Aber jetzt hat man ja herausgefunden, dass die Helvetier auch Immigranten waren und somit sitzen wir im gleichen Boot. Müslüm zog alle Entertainer Register, er sang „In der Schwyz“ auf Deutsch und jodelte dazu. Er erzählte von den Unterschieden in der Türkei und der Schweiz. Er war sehr selbstironisch, machte sich lustig über Selbstkontrolle im Tram und Bus und den Satz der Kontrolleure „Weisen Sie sich aus“. Überhaupt waren Sprachspiele, wie schon immer seine Stärke, manchmal rutschten sie auch unter die Gürtellinie. Gendern und LGBTQA waren ebenfalls Themen. Gendern sei salonfähig geworden, Albanisch als  zweite Landessprache aber nicht. Müslüm gefiel in diesem Programm sehr gut, es war ein unterhaltsamer aber kein tiefgründiger Abend.

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Fredi Hallauer

MATTO KÄMPF, NEWA GRAWIT, DOMINIK GYSIN

Live: „Im Wald – Eine Beziehungsklamotte“ in der La Cappella am 21. Januar 2024

Bild Fredi Hallauer

Die Bühne stand voller verschneiter Tannen und im Vordergrund ein Tisch. Ja klar, das Stück heisst ja Im Wald. Es stellte sich dann bald heraus, das Im Wald ein Restaurant ist mit dem Themenmonat Wald. Das war das Lieblingsrestaurant eines Paares, welches nach zwölf gemeinsamen Jahren, aus beruflichen Gründen, sich seit drei Wochen nicht mehr gesehen hatte. Sie kommt zu spät, er hat sowieso schlechte Laune. Dann geht es richtig los mit den verschiedensten Themen der Beziehungen, Beziehungen in denen niemand weiss wie es weitergehen soll oder könnte. Dazwischen kommt immer wieder der Kellner mal als, Jäger, oder Förster oder Jogger, alles Figuren welche sich im Wald herumtreiben. Das Stück dauerte eine gute Stunde und war sehr amüsant, vielleicht weil alle im Saal aus eigener Erfahrung wussten um was es geht, und es so amüsant war, den Anderen bei den Problemen zuzuschauen. Eine lustige Klamotte, mit vielen lustigen Sätzen und Situationen, oft schräg und doch immer irgendwie realistisch. Empfehlenswert.

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Fredi Hallauer

BÜHNEN BERN

Live: „Molières Amphitryon“ nach der französischen Komödie in der Vidmar 1 am 19. Dezember 2023

Bild Florian Spring

Schon vor dem Theatersaal rannte einer mit Handy herum und fluchte weil offenbar Einiges nicht ging. Im Theatersaal, vor der Vorstellung flackerte andauernd das Licht, kurz vor Beginn war wieder dieser nervöse Mann am Handy und schimpfte, suchte den Fehler, kannte sich hier nicht aus. Dann begann das Stück, ohne Licht. Jetzt merkte man spätestens das alles zum Theaterstück gehörte. Die sechs Schauspieler:innen und der Musiker zeigten eine Probe, 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn, mit schlechtem Licht, eine Schauspielerin steckte in Deutschland im Zug, so sprang eine ehemalige Kollegin aus dem Publikum unfreiwillig ein. Der Techniker wäre gerne Schauspieler, sie wollen ihn aber nicht, er muss Techniker bleiben.

So bleibt dann alles ziemlich hektisch, die Schauspieler:innen hinterfragen sich immer wieder und stellen sich den Theaterfragen, „wer bin ich, bin ich der/die in der Rolle oder ist es nur Rolle?“ Langsam kam dann immer mehr von der eigentlichen Verwechslungskomödie zum Zug.

Gezeigt wurde einerseits die Geschichte Amphitryon nach Molière, dann etwas aus dem Leben von ihm und seinen Gauklertruppen, einige Modernisierungen fanden Platz, vor allem textlich, gute Gags wie der mit dem Trampolin (inspiriert von einer misslungenen Szene aus Tosca, welche öfters im Fernsehen gezeigt wurde) und eigenständige Texte der Schauspieler:innen. Genial war das Bühnenbild. Das Stück war immer sehr rasant, da und dort eine ruhigere Phase hätte dem Ganzen gut getan. Es wurde sehr schnell gesprochen und in dem hohen Tempo doch das Eine oder Andere vernuschelt, etwas schade. Regie führte Bruno Cathomas. Das Stück machte Spass und gab auch Anlass um über das Eine oder Andere nachzudenken.

Bild Florian Spring

Fredi Hallauer

RIKLIN & SCHAUB

Live: „Lieder, die du sehen musst“ in der La Cappella am 14. Dezember 2023

Bild Fredi Hallauer

Die beiden Musikkomödianten waren mit ihrem zweiten Solo- (Duo-)Programm in der La Cappella. Was sich bereits in Ansätzen beim letzten Programm zeigte, war jetzt ein wesentlicher weiterer Bestandteil des Programms, das Video. Sie erzählten ihre Geschichten mit Musik und Liedern und dazu immer wieder Videos, Videoeffekte und weitere Spielereien. Alles sehr witzig und mit grossem Aufwand gemacht. Das Programm hatte in dem Sinne keine zusammenhängende Geschichte und trotzdem hing alles zusammen mit Running Gags und Wiederholungen, welche in Wirklichkeit keine Wiederholungen waren. Sie begannen mit einem Lied in dem sie besangen, dass dies kein Anfang ist. Thematisch nahmen sie alles auf den Hut was aktuell ist. Keine Witze über die 3J (Janz, Jositsch und Joung Boys), Gender, Smartphone Zombies, Live Ticker, Power Point Presentationen, das im Duett singen, Video, Hacken und sehr viel mehr. Zuviel möchte ich hier nicht verraten, es hatte nämlich noch einige verblüffende Überraschungen dabei. Der Abend war grandios in allen Belangen und mit den Videos, Licht und Toneffekten sehr Aufwendig und präzise gemacht. Nicht einfach ein Musikkomedy Abend, nein, eine Show die sich gewaschen hat.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

THEATER LUPINCHEN

Live: „Kleiner Stanislas ganz gross“ im Basler Marionetten Theater am 19.November 2023

Bereits wenn man das Theater betrat, war da eine Frau, welche mit Kindern alles vermass. Nun weiss ich, dass der Eingang ins Theater 195cm hoch ist. Später wurde es dunkel im Saal und die Spielerin Kathrin Leuenberger faltete eine ganz kleine Figur, etwa 2cm gross, den Stanislas. Sie zeigte ihn dann durch die Lupe. Die Geschichte begann, von dem Winzling und seinem grossen Hunger und wie er wuchs. Sehr schön und lustig war die Fussballmatch Szene mit drei Kindern. Mit 13 jährig überragte er alle und niemand wollte mit ihm spielen. Er trag dann eine Ameise, einen Giraffen und eine Seiltänzerin. Niemand kam mit ihm zugange. So suchte er seinen Weg und Platz, den er bis zum Schluss des Stücks fand.

Das Stück faszinierte durch seine Machart. Alles war aus Papier, da wurde gefaltet und geschnitten was das Zeug hielt. Eine Einfrau Show die sich gewaschen hat.

Fredi Hallauer