GILBERT & OLEG

Live: „Illusion oder Wirklichkeit“ in der La Cappella am 2. März 2024

Bild Kathrin Hallauer

Das Duo ist bekannt, häufig spielen sie bei ihrem Wagen und ihrer Bühne, nun sind sie aber auf Kleintheaterbühnen unterwegs. Gleich beim Eingang konnte man eine Illusion zu einem Thema auslesen. Das Programm hatte folgende Anlage, Sternstunde Philosophie sucht neue Moderator:innen und Gilbert und Oleg wollten sich melden. Sie machten nun einen live Versuch um zu schauen was funktioniert und was nicht. Das Muster der beiden ist auch bekannt, Gilbert gibt den Seriösen und Oleg plappert dauernd rein, ist ungeschickt, will etwas vorführen, vergisst den Text etc, also die beiden Clowns. Bei Gilbert und Oleg ist das sehr lustig und Muskelkater der Bauchmuskulatur nach einem solchen Abend vorprogrammiert. Die beiden ziehn wirklich alle Register von Magie, Musik und Poesie. Es wird mit kleinen Zaubertricks gespielt, Pantomime, Musik mit Publikumsbeteiligung, Masken, Verkleidungen, Puppen und Schattenspiel plus noch dies und das werden eingesetzt.

Bild Kathrin Hallauer

Höherer Blödsinn, ein bisschen Philosophie über Illusionen praktisch gezeigt, und ganz viele lustige und gute Ideen, sorgten für die beste Unterhaltung. Die ganze Geschichte ist hier absichtlich nicht verraten und auch nicht was mit den Illusionskarten geschah.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

THE LION KING

Live: Theater 11 Zürich am 13. Februar 2024

Bild Copyrights Disney

Das Disney Musical wurde vor neun Jahren in Basel aufgeführt, nun ist es nach unzähligen Stationen auf der Welt wieder in der Schweiz, in Zürich. Es ist eine grandiose Show mit über 50 Darsteller:innen und Tänzer:innen, dazu kommt das Orchester und einiges mehr. Sehr faszinierend waren die Kostüme und Bühnenbilder. Kostüme ist untertrieben, es waren Figuren, Puppen und riesige Masken. So marschierten zum Auftakt Löwen, Giraffen, Zebras, Gnus ja sogar Elefanten in Originalgrösse auf die Bühne. Der afrikanische Gesang und die passende Perkussion von zwei Perkussionisten in der Beleuchterloge, rissen einem fast aus den Sitzen. So entwickelte sich die bekannte Geschichte. Der Elefantenfriedhof war so beeindruckend wie die Steppe. Die Hyänen wurden ebenfalls sehr eindrücklich gespielt. Dazwischen kam auch der Humor durch, als z.B. der Nashornvogel Zazu vom Löwenkönig zum Spass entlassen wird, jammert der und sagt, „nein ich will nicht zurück nach Basel“. Auch Rafiki der alte, weise Pavian, macht das eine oder andere Spässchen. Das internationale Ensemble zeigte Höchstleistung und Spitzenklasse. Nach der Pause wurde das Stück etwas ausgedehnt, was aber nicht am Ensemble sondern am Autor lag. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist, dass nicht alle bekannten Melodien des Films im Musical vorkommen und bestenfalls angetönt werden. Das waren zweieinhalb Stunden hervorragende Unterhaltung, Faszination und ein Eintauchen in eine andere Welt und aus dem Alltag.

Bild Copyrights Disney

Fredi Hallauer

MÜSLÜM

Live: „Helfetisch“ in der La Cappella am 10. Februar 2024

Bild Kathrin Hallauer

„Mit einer Viertelstunde Verspätung trat zuerst Raphael Jakob,  der Gitarrist auf die Bühne und überzeugte während des ganzen Abends mit seinem Spiel auf der akustischen Gitarre. Ein paar Takte später kam dann Müslüm, der Süperimmigrant, wie er sich selbst betitelt. Er erzählte zuerst, wie es schwierig ist als Ausländer in der Schweiz und noch schwieriger ist es wenn das Publikum in Appenzell in Tracht, lauthals singt, „Ich bin ein Ausländer“. Das wollte er nicht. Aber jetzt hat man ja herausgefunden, dass die Helvetier auch Immigranten waren und somit sitzen wir im gleichen Boot. Müslüm zog alle Entertainer Register, er sang „In der Schwyz“ auf Deutsch und jodelte dazu. Er erzählte von den Unterschieden in der Türkei und der Schweiz. Er war sehr selbstironisch, machte sich lustig über Selbstkontrolle im Tram und Bus und den Satz der Kontrolleure „Weisen Sie sich aus“. Überhaupt waren Sprachspiele, wie schon immer seine Stärke, manchmal rutschten sie auch unter die Gürtellinie. Gendern und LGBTQA waren ebenfalls Themen. Gendern sei salonfähig geworden, Albanisch als  zweite Landessprache aber nicht. Müslüm gefiel in diesem Programm sehr gut, es war ein unterhaltsamer aber kein tiefgründiger Abend.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

MATTO KÄMPF, NEWA GRAWIT, DOMINIK GYSIN

Live: „Im Wald – Eine Beziehungsklamotte“ in der La Cappella am 21. Januar 2024

Bild Fredi Hallauer

Die Bühne stand voller verschneiter Tannen und im Vordergrund ein Tisch. Ja klar, das Stück heisst ja Im Wald. Es stellte sich dann bald heraus, das Im Wald ein Restaurant ist mit dem Themenmonat Wald. Das war das Lieblingsrestaurant eines Paares, welches nach zwölf gemeinsamen Jahren, aus beruflichen Gründen, sich seit drei Wochen nicht mehr gesehen hatte. Sie kommt zu spät, er hat sowieso schlechte Laune. Dann geht es richtig los mit den verschiedensten Themen der Beziehungen, Beziehungen in denen niemand weiss wie es weitergehen soll oder könnte. Dazwischen kommt immer wieder der Kellner mal als, Jäger, oder Förster oder Jogger, alles Figuren welche sich im Wald herumtreiben. Das Stück dauerte eine gute Stunde und war sehr amüsant, vielleicht weil alle im Saal aus eigener Erfahrung wussten um was es geht, und es so amüsant war, den Anderen bei den Problemen zuzuschauen. Eine lustige Klamotte, mit vielen lustigen Sätzen und Situationen, oft schräg und doch immer irgendwie realistisch. Empfehlenswert.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

BÜHNEN BERN

Live: „Molières Amphitryon“ nach der französischen Komödie in der Vidmar 1 am 19. Dezember 2023

Bild Florian Spring

Schon vor dem Theatersaal rannte einer mit Handy herum und fluchte weil offenbar Einiges nicht ging. Im Theatersaal, vor der Vorstellung flackerte andauernd das Licht, kurz vor Beginn war wieder dieser nervöse Mann am Handy und schimpfte, suchte den Fehler, kannte sich hier nicht aus. Dann begann das Stück, ohne Licht. Jetzt merkte man spätestens das alles zum Theaterstück gehörte. Die sechs Schauspieler:innen und der Musiker zeigten eine Probe, 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn, mit schlechtem Licht, eine Schauspielerin steckte in Deutschland im Zug, so sprang eine ehemalige Kollegin aus dem Publikum unfreiwillig ein. Der Techniker wäre gerne Schauspieler, sie wollen ihn aber nicht, er muss Techniker bleiben.

So bleibt dann alles ziemlich hektisch, die Schauspieler:innen hinterfragen sich immer wieder und stellen sich den Theaterfragen, „wer bin ich, bin ich der/die in der Rolle oder ist es nur Rolle?“ Langsam kam dann immer mehr von der eigentlichen Verwechslungskomödie zum Zug.

Gezeigt wurde einerseits die Geschichte Amphitryon nach Molière, dann etwas aus dem Leben von ihm und seinen Gauklertruppen, einige Modernisierungen fanden Platz, vor allem textlich, gute Gags wie der mit dem Trampolin (inspiriert von einer misslungenen Szene aus Tosca, welche öfters im Fernsehen gezeigt wurde) und eigenständige Texte der Schauspieler:innen. Genial war das Bühnenbild. Das Stück war immer sehr rasant, da und dort eine ruhigere Phase hätte dem Ganzen gut getan. Es wurde sehr schnell gesprochen und in dem hohen Tempo doch das Eine oder Andere vernuschelt, etwas schade. Regie führte Bruno Cathomas. Das Stück machte Spass und gab auch Anlass um über das Eine oder Andere nachzudenken.

Bild Florian Spring

Fredi Hallauer

RIKLIN & SCHAUB

Live: „Lieder, die du sehen musst“ in der La Cappella am 14. Dezember 2023

Bild Fredi Hallauer

Die beiden Musikkomödianten waren mit ihrem zweiten Solo- (Duo-)Programm in der La Cappella. Was sich bereits in Ansätzen beim letzten Programm zeigte, war jetzt ein wesentlicher weiterer Bestandteil des Programms, das Video. Sie erzählten ihre Geschichten mit Musik und Liedern und dazu immer wieder Videos, Videoeffekte und weitere Spielereien. Alles sehr witzig und mit grossem Aufwand gemacht. Das Programm hatte in dem Sinne keine zusammenhängende Geschichte und trotzdem hing alles zusammen mit Running Gags und Wiederholungen, welche in Wirklichkeit keine Wiederholungen waren. Sie begannen mit einem Lied in dem sie besangen, dass dies kein Anfang ist. Thematisch nahmen sie alles auf den Hut was aktuell ist. Keine Witze über die 3J (Janz, Jositsch und Joung Boys), Gender, Smartphone Zombies, Live Ticker, Power Point Presentationen, das im Duett singen, Video, Hacken und sehr viel mehr. Zuviel möchte ich hier nicht verraten, es hatte nämlich noch einige verblüffende Überraschungen dabei. Der Abend war grandios in allen Belangen und mit den Videos, Licht und Toneffekten sehr Aufwendig und präzise gemacht. Nicht einfach ein Musikkomedy Abend, nein, eine Show die sich gewaschen hat.

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Fredi Hallauer

THEATER LUPINCHEN

Live: „Kleiner Stanislas ganz gross“ im Basler Marionetten Theater am 19.November 2023

Bereits wenn man das Theater betrat, war da eine Frau, welche mit Kindern alles vermass. Nun weiss ich, dass der Eingang ins Theater 195cm hoch ist. Später wurde es dunkel im Saal und die Spielerin Kathrin Leuenberger faltete eine ganz kleine Figur, etwa 2cm gross, den Stanislas. Sie zeigte ihn dann durch die Lupe. Die Geschichte begann, von dem Winzling und seinem grossen Hunger und wie er wuchs. Sehr schön und lustig war die Fussballmatch Szene mit drei Kindern. Mit 13 jährig überragte er alle und niemand wollte mit ihm spielen. Er trag dann eine Ameise, einen Giraffen und eine Seiltänzerin. Niemand kam mit ihm zugange. So suchte er seinen Weg und Platz, den er bis zum Schluss des Stücks fand.

Das Stück faszinierte durch seine Machart. Alles war aus Papier, da wurde gefaltet und geschnitten was das Zeug hielt. Eine Einfrau Show die sich gewaschen hat.

Fredi Hallauer

PATTI BASLER und PHILIPPE KUHN

Live: „Lücke“ in der La Cappella am 8. November 2023

Fredi Hallauer

Patti Basler und der Klavierkabarettist bestritten das Programm zum Thema Lücken. Energieversorgungslücken, Personalmangel und viele Lücken mehr in unserer Gesellschaft wurden beim Namen genannt. Patti Basler war sehr sarkastisch und überzeugte mit grosser Mimik. Dazwischen war das Programm auch ein bisschen derb, was sie eigentlich nicht nötig hätte und dann machte sie sich auch über Personen aus dem Publikum lustig. Die Zusammenfassung, es war ein sehr gutes Programm, aber nicht alles war gut, hörte ich nach der Vorstellung. Verblüffend waren die Wortspiele wie: „Niemand will Lehrer werden, leerer werden nur die Lehrerzimmer“ (laut lesen damit sich der Witz entwickelt), oder „Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Rammstein“. Auch die Religion wurde auf die Schippe genommen mit Sätzen wie: „Jesus hatte gleich nach der Geburt einen Krippenplatz“. Philippe Kuhn zeigte echte Statistiken zu vielen Themen wobei der letzte Punkt immer einen Joke ergab. Ein Beispiel dafür ist, wieviel Prozent machen die Parteien etwas gegen die Klimaerwärmung, da liegen die Grünen vor der SP, aber am Besten ist die SVP, da sie schauen, dass die Armen arm bleiben und somit auch keine Energie verschleudern können. Nach der Pause kam Philippe Kuhn als rechtspopulistischer Kabarettist. Diese Nummer war ziemlich schwach und es lachte niemand darüber. Wie geschrieben, ein Abend mit viel Grossartigem aber nicht nur.

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Fredi Hallauer

FRÖLEIN DA CAPO und MANUEL STAHLBERGER

Live: 25. Geburtstag der La Cappella am 3. November 2023

Bild Fredi Hallauer

Die La Cappella wurde am 3. November 25 jährig. Für diesen Abend wünschte sich das Haus, wie es Christoph Hoigné erklärte, etwas besonderes. So wurde Frölein Da Capo und Manuel Stahlberger eingeladen zusammen ein Programm zu gestalten. Die beiden Seelenverwandten, beides Musiker, Zeichner, Spoken Words, standen noch nie zusammen auf der Bühne. Das Resultat von dieser Kooperation war berauschend. Die beiden standen oder sassen immer beide auf der Bühne, einige Sachen boten sie Solo dar, andere waren im Duo durch musikalische, gesangliche Unterstützung, Interaktionen oder Blättern. Das gemeinsame Programm drehte sich, dem Thema des Abends entsprechend um Geburtstag, Geburtstagsfotos, La Cappella (u.a. mit einem lustigen Fotobuch). Beide nahmen oft das Thema des anderen auf und sangen oder sprachen einen entsprechenden Text. Wahnsinnig gut waren die Zeichnereien oder Diashows von Beiden. Es war eine sehr gelungene Kooperation, wo sich aber beide trotzdem treu bleiben konnten und ihren Stil nicht veränderten, die Musik von Manuel Stahlberger blieb elektronisch mit Keyboardunterstützung von Frölein Da Capo, und umgekehrt. Eine würdevolle Geburtstagsfeier mit Auftritten von Christoph Hoigné und eine sehr gute Unterhaltung mit Niveau.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

PEDRO LENZ & CHRISTIAN BRANTSCHEN

Live: Lesung „Primitivo“ mit musikalischer Begleitung in der La Cappella am 30. Oktober 2023

Bild Fredi Hallauer

Pedro Lenz erzählte und las aus seinem in Mundart geschriebenen Buch „Primitivo“. Christian Brantschen spielte auf dem Flügel sozusagen den Soundtrack. Zwischendurch sang er sogar eine Melodie oder „Stirr It Up“ von Bob Marley. Die Geschichte von „Primitivo“ handelt von dem Maurer Primitivo, dem Maurerlehrling Charly, den Kollegen auf der Baustelle, seinen Kollegen, einer schönen Frau die er versucht für sich zu gewinnen und seinem Widersacher. Die Geschichte beginnt mit dem tödlichen Arbeitsunfall von Primitivo. Dann gibt es Rückblenden und Vorwärtsschauen auf das Leben von Charly. Mehr von der Geschichte möchte ich hier nicht verraten. Pedro Lenz lernte selber Maurer und so merkte man schnell, dass die Sprache sehr authentisch ist, den Umgang auf der Baustelle, die Sprüche, das Verhalten der einzelnen Akteure. Jung war natürlich Pedro Lenz auch einmal und erst noch auf dem Lande aufgewachsen, wo wenig Unterhaltung angeboten wurde. So waren auch diese Szenen beim Waldfest oder an einem Polo Hofer Konzert sehr authentisch. Pedro Lenz las einfach ein paar Szenen vor, etwas 90 Minuten lang und man konnte so richtig in diese Geschichte eintauchen. Den Schluss lernte man nicht kennen, was aber dem vergnüglichen Abend keinen Abbruch tat.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer