WACHTMEISTER STUDER

Bühnen Bern in Zusammenarbeit mit Kulturhof Schloss Köniz am 8. September 2025

Bild Kathrin Hallauer

Diese Theateraufführung fand Openair im Schlosshof Köniz statt. Im Zentrum stand eine runde Holzplattform, später kam noch ein Lieferwagen dazu mit einer Plattform auf dem Dach. Das Publikum sass im Halbrund um die Plattform. Zuerst trat eine Frau auf die Plattform und zündete sich eine Zigarette an. Sie begutachtete das Publikum und das ziemlich lange. Dann begann sie die Geschichte zu erzählen. Zur Geschichte sei hier nichts verraten, ausser dass sie dem Buch sehr getreu nachgespielt wurde, mit wenigen Personen und einfachen Mitteln.

Bild Kathrin Hallauer

Wer den Krimi kennt, er war sehr spannend wiedergegeben, wer ihn nicht kennt, soll die Spannung das erste Mal erleben. Die Schauspieler:innen spielten hervorragend. Es war auch immer klar, wer wen war, obwohl ein paar Schauspieler:innen mehrere Rollen hatten. Verwechselt wurden sie nie. Gesprochen wurde meistens Deutsch mit Mundarteinwürfen, wie das auch im Buch zu lesen ist. Ein Running Gag war, wenn der Name des Lehrers im Dorf genannt wurde, sagte jede(r) etwas Negatives über ihn. Das Licht wurde mit wenigen weissen Scheinwerfern sehr effizient und wirkungsvoll eingesetzt, die Sprache war akustisch jederzeit perfekt verständlich.

Bild Kathrin Hallauer

Man kann nur sagen: Das war eine durch und durch gelungene Aufführung.

Die Gruppe ist noch in Grindelwald und Burgdorf unterwegs und dann im £Spielplan von Bühnen Bern, also nicht verpassen.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

BENEDIKT MEYER

Live: „Plusquamperfekt“ in der La Cappella am 19. Juni 2025

Bild Kathrin Hallauer

Benedikt Meyer ist Historiker und Kabarettist, das ergibt historisches Kabarett. Plusquamperfekt war Etikettenschwindel, da wir in der Mundart gar keine Vorvergangenheit haben. Trotzdem erzählte Benedikt Meyer von früher, aber von einem genauen früher und nicht vom früher war alles besser. Von dem erzählte er auch. Der erste Teil handelte von Menschen, die wie Schmetterlinge die Luft in Schwingung bringen und damit immer grössere Luftschwingungen bis zum Wirbelsturm auslösen können. Da erzählte er Geschichten vom Dieb der Mona Lisa, von den drei Schweizern, welche eine Vietkong-Fahne auf der Notre-Dame in Paris hissten. Von der Frau, welche in einem Museum in Paris alle Raubbilder fein säuberlich registrierte und wo sie hingebracht wurden und nach dem Krieg 60’000 Bilder wieder zum Vorschein bringen konnte. Im zweiten Teil ging es um Fragen wie: Warum hat das Bundeshaus in Bern eine Hausnummer, oder wo genau war die Schlacht von Morgarten. Mit viel Augenzwinkern erzählte er die Geschichte des Automobils, wie es von den öffentlichen Plätzen verdrängt wurde, und jetzt mithilfe des Autopapstes Albert seinen Platz zurückerobert. Man beklagt die Menschen, welche bei den Hexenverbrennungen umgebracht wurden, aber nicht diejenigen, welche von den Autofahrern umgebracht wurden, obwohl das viel mehr sind. Seine Erzählungen waren witzig, gesellschaftsrelevant und lehrreich. So macht Geschichte richtig Spass.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

GILBERT & OLEG

Live: „Robin Hood – The Great Resist“ in der La Cappella am 15. Juni 2025

Bild Kathrin Hallauer

Die beiden Varietékünstler Gilbert & Oleg sind weitherum bekannt für ihre lustigen Aufführungen mit viel Liebe zum Detail. Aber was sie in diesem Stück zeigten, übertraf alles. Der Anfang ist ähnlich wie immer, man bekommt eine Karte, dieses Mal einen Pass für den Eintritt in das Königreich. Dann kommt Oleg zu spät, lässt Gilbert nicht starten und macht die üblichen Sprüche. Das sind die typischen Szenen von Weissclown und dummen August. Aber dann beginnen sie mit der Erzählung der Geschichte von Robin Hood. Da setzten sie ein sehr variables Bühnenbild ein. Der kleine Robin und sein Grossvater waren Schoss Puppen.

Bild Kathrin Hallauer

An Kostümen wurde auch nicht gespart. Gilbert spielte eine Laute, sehr gekonnt und Oleg blies die Blockflöte, spielte verschiedene Perkussionsinstrumente wie Rahmentrommel und Stöcke.

Bild Kathrin Hallauer

Immer wieder zeigten sie verblüffende Tricks, einfach so im nebenbei. Mehr sei dazu nicht verraten, damit es interessant bleibt, das Stück anschauen zu gehen. Ein Fechtkampf fand statt, eine Entfesselung und immer wieder gute Anspielungen mit Sprüchen auf heute.

Bild Kathrin Hallauer

Vielleicht müsste man die Corona-Sprüche herausnehmen oder reduzieren. Viele Institutionen und Personen bekamen ihr Fett weg, wie das Schweizer Fernsehen oder verschiedene Bundesräte. Am Schluss wurden auch noch Handpuppen eingesetzt, so konnten die beiden viel mehr Personen spielen.

Bild Kathrin Hallauer

Genial waren auch die Szenen zwischen Robin und Mary-Anne, welche von Oleg alleine gespielt wurden und irgendwie immer aus dem Ruder liefen.

Bild Kathrin Hallauer

Viele Überraschungen durfte man in diesen zwei Stunden erleben und das Zwerchfell wurde heftig beansprucht. Wenn einem die Vorstellung gefallen hat, soll man es weitersagen, und das tue ich hiermit.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

SCHERTENLAIB UND JEGERLEHNER

Live: „Angesagt“ Abschiedsvorstellung in der La Cappella am 22. Mai um 15 Uhr

Bild Kathrin Hallauer

Dies war die drittletzte Vorstellung des Komikerduos überhaupt. Als Erstes trat Christoph Simon auf die Bühne, mit einer Lobhudelei, wie er sagte, auf die beiden. Dann kamen die beiden und spielten ihr Programm „Angesagt“, in der aktuellen Version. Die beiden Herren beherrschten immer noch den höheren Blödsinn, ihre Instrumente, das nebeneinander Vorbeisprechen und die gute und witzige Unterhaltung. Das Zwerchfell wurde durchgeschüttelt und das Publikum ging glücklich nachhause, obwohl es der Abschied vom besten Duo der Schweiz war. Es ist eine Tatsache, Schertenlaib und Jegerlehner lösen sich auf. Es war schön, bei einem der letzten Auftritte noch einmal dabeigewesen zu sein.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

GARDI HUTTER

Live: „Die Schneiderin“ im Casino Theater Burgdorf am 30. März 2025

Bild Kathrin Hallauer

Dies war das vierte und letzte Stück auf der Abschiedstour von Hanna, nicht von Gardi Hutter. Hanna sass im Schneidersitz auf ihrem Tisch und nähte an einem Kleid. Sie kämpfte mit dem Schlaf, mit in den Finger stechen, mit Einfädeln und mit den Nadeln und Scheren überhaupt. Sie nahm aus ihrer Garntruhe Fadenrollen und spielte mit ihnen, als wenn es Figuren wären, sie kamen sich näher und später hatten zwei Spulen sogar Sex. Dann wurde das Stück immer abstrakter, sie kämpfte gegen ihr Spiegelbild alias ihr Ego. Sie kam öfter ins Publikum, einmal wollte sie eine Zigarette, ihre letzte, als ein Mann ihr eine anbot, wollte sie das ganze Päckchen. Sie las dann darauf, Rauchen kann tödlich sein, und fragte dann den Mann, ob er sie umbringen wolle. Um zu kuscheln, lud sie sich einen Mann auf die Bühne ein, es klappte nicht wirklich. So ging es bis zum Ende. Der rote Faden fehlte weitgehend, es war aber herrliches, schräges und abstraktes, lustiges Theater. Das Bühnenbild und die Interpretation waren hervorragend und viele Ideen ebenso. Das waren 70 Minuten beste Unterhaltung.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

FRANZ HOHLER

Live: „Spaziert durch sein Gesamtwerk“ in der La Cappella am 18. März 2025

Bild Kathrin Hallauer

Franz Hohler, 82-jährig, überraschte das Publikum mit seiner Frische, dem Schalk und Witz wie seit jeher, aber auch mit der Nachdenklichkeit. Er begann mit einem Text, welcher er als 9-Jähriger schrieb und sich heute bestens eignen würde für eine Rede an der Tagung im Albisgüetli. Er führte das Publikum mit einem Spaziergang durch sein Gesamtwerk, nicht chronologisch, aber immer logisch. Viele Geschichten und Gedichte las er vor. Seine beiden Schöpfungsgeschichten las er, aber auch die „Made in Hongkong“ und eine Geschichte, welche Drittklässler ihm schickten. Er las den ersten Spaziergang den Rhein aufwärts von Schaffhausen und dass daraus die Idee entstand, den ganzen Rhein-Oberlauf in Etappen zu erwandern und darüber ein Büchlein zu schreiben. Den Schluss las er ebenfalls vor. Dann sang er a cappella „Le Deserteur“ von François Vian und darauf seine Mundartversion. Er erzählte, dass dieses sogar abgeschwächte Lied nicht im Schweizer Fernsehen gesungen werden durfte und so hörte er mit seiner Satire-Sendung auf. Franz Hohler las, erzählte und sang in einem sehr unterhaltenden und abwechslungsreichen Abend seine Werke.

Bild Kathrin Hallauer

Im zweiten Teil kam dann das Alter zur Sprache, mit vielen Überlegungen. Eine war: Leuchtet die Sparlampe mit 10’000 Stunden Brenndauer nach meinem Tod noch. Er machte auch auf veraltete Sprache aufmerksam. Die Sonne geht auf, seit Kopernikus wissen wir, dass die Sonne am gleichen Ort ist, und die Erde untergeht. Sein Lied „Der Weltuntergang“ sang er an einem Pult sitzend, auf dem er den Rhythmus klopfte.

Bild Kathrin Hallauer

Zum Schluss erzählte er „S Bärndütsche Gschichtli“ und darauf trat der Jazzchor Bern auf die Bühne und sang den Text noch einmal in einem Arrangement von Xenia Zampieri, welche den Chor leitete.

Bild Kathrin Hallauer

Franz Hohler hatte sichtlich Freude daran und erzählte zum Schluss die Geschichte abermals in einer romanischen Kurzversion. Das war ein grossartiger Abend mit nachdenklichem Humor und viel Schalk von einem der grössten Kabarettisten.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

JOACHIM RITTMEYER

Live: „Nachlassspass“ in der La Cappella am 5. März 2025

Bild Kathrin Hallauer

Joachim Rittmeyer verabschiedet sich in diesem Programm von seinen bekannten Figuren Hanspeter Brauchle, Theo Metzler und Jovan Nabo. Da das Publikum immer wieder die alten Klassiker wünschte, spielt er sie in diesem Programm. Ein Nachlassverwalter moderiert eine Castingshow, wo Bewerber diese Klassiker spielten. Eigentlich spielte das keine Rolle, denn es gab einige der bekannten Rittmeyer Geschichten. Es war Alltagskomik pur. In einem gut zweistündigen Programm zog er mit seinen drei Figuren, plus ausser Konkurrenz noch mit zwei anderen Figuren durch das Programm. Das Ganze war ein solides Programm von Joachim Rittmeyer bei dem man schmunzeln und sogar herzhaft lachen konnte.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

BÉJART BALLET LAUSANNE

Live im Musical Theater Basel am 1. März 2025

Bild Gregory Batardon

Den Anfang machten neun Tänzer und zwei Tänzerinnen. Sie tanzten Hamlet von Shakespeare. Alle waren schwarz angezogen, ausser dem König. Sie tanzten und drückten viele Emotionen wie Liebe, Hass, Eifersucht und Feindschaft aus. Die Geschichte kennt man, aber wie sie interpretiert wurde, war einzigartig. Auf der Bühne standen Stühle, am Boden Papier und die hintere Wand war manchmal schwarz und manchmal weiss. Gutes weisses Licht, sehr genau eingesetzt, ergaben ein tolles Erlebnis.

Bild Gregory Batardon

Nach der Pause startete das ganze Ensemble mit Béjart et nous. Eine Zusammenstellung mit Ensemble, Pas de deux und Soli. Hier zeigten die Tänzerinnen, wie viel Humor beim Tanzen möglich ist und wie viele untypische Schritte, Bewegungen und vieles mehr Ballett zeigt. Zuerst tanzte das Ensemble zu klassischer Musik, dann ein ungewohntes Pas de Deux zu Ethnoklängen, ein witziges Solo eines Tänzers zu einer Johann Strauss Polka, ein Ensemble-Tanz zu griechischer Musik. Sehr beeindruckend war der Tanz einer Tänzerin zu „Ne me quitte pas“, von Jacques Brel.

Bild Gregory Batardon

Zum Schluss gab es einen wirklichen Höhepunkt mit Ravels Bolero. Eine Tänzerin tanzte ihn auf einer Art rundem grossem Trampolin alleine. Zuerst sah man nur die Arme, dann immer mehr. Mit der Zeit kamen immer mehr Tänzer rund um das Trampolin dazu. Grossartig.  Dies war ein grossartiger Abend, welcher Ballett etwas anders zeigte.

Bild Gregory Batardon

Fredi und Kathrin Hallauer

GARDI HUTTER

Live: „Die Souffleuse“ im Casino Theater Burgdorf am 23. Februar 2025

Bild Kathrin Hallauer

Das war der dritte Streich von Hanna. Dieses Mal war sie Souffleuse in einem Theater und wohnte gleich unter der Bühne. Sie bekam nicht mit, dass dies die letzte Vorstellung im alten Theater war und morgen die erste Aufführung im neuen Theater stattfinden soll. Als sie es merkte, war sie traurig. Doch dann wurde sie zuversichtlich und sie packte ihr Köfferchen und verliess ihre Wohnung unter der Bühne.

Bild Kathrin Hallauer

Dies war ein wunderschönes Stück von Hanna. Gardi Hutter schöpfte ihre ganzen Fähigkeiten der Clownerie, von Slapstick und von Poesie aus. Hanna spricht nur sehr wenige Worte, der Rest der Kommunikation ist Mimik und Gestik. Es ist unglaublich, was sich Gardi Hutter alles einfallen liess. Schon das Bühnenbild ist umwerfend, dann das Bett, welches selbst zusammenklappt. Eine Lachnummer nach der anderen. Der Schluss, als sie auf die Bühne heraufsteigt, ist sehr poetisch und dadurch herzerwärmend. Auch dieses Stück muss man gesehen haben.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer

CHRISTOPH SIMON

Live: „Auf Kurs“ in der La Cappella am 16. Februar 2025

Bild Kathrin Hallauer

Christoph Simon startete sein neues Programm. Er erzählt eine Geschichte von einem kreativen Malkurs auf der Alp. Die Alp gibt es und wahrscheinlich gelingt es ihm darum, alles so detailgetreu zu schildern. Dass er Menschen genau schildern kann, weiss man. So erzählt er dann von sich als Hüttenwart, dem Kursleiter, vier Teilnehmer:innen, einem jungen Bauern und seiner Grossmutter. Alles ist sehr lebendig, witzig und immer genau beobachtet und geschildert. Ich erzähle die Geschichte hier nicht, sonst geht der Reiz verloren. Die Figuren vertreten alle verschiedenen Aspekte in unserer Gesellschaft. Auffallend ist, dass Christoph Simon dieses Mal mit viel Bewegung und Gestik arbeitet. Dadurch wird alles noch viel lebendiger. Man erkennt ihn fast nicht mehr im Vergleich zu den früheren Programmen. Christoph Simon versteht es, mit Worten zu spielen, aber auch gute Aussagen in die Geschichte einzubauen. Da ist als Beispiel die Aussage: „Wer etwas erreichen will, der schafft es.“ „Nein, das ist Blödsinn. Wer etwas erreichen will, der kann es unter günstigen Bedingungen vielleicht schaffen“. Der Kabarettist Christoph Simon zeigt mit diesem Programm einmal mehr, dass er zu den Besten in seinem Fach in der Schweiz gehört. Sein Programm ist unterhaltsam und humorvoll, gibt aber auch immer wieder zum Nachdenken Anlass.

Bild Kathrin Hallauer

Fredi Hallauer