Klosterplatz Einsiedeln am 3. Juli 2024

Es war wieder so weit, in Einsiedeln führten sie das Welttheater auf. (Es wird noch den ganzen Sommer bis 7. September 2024 aufgeführt). Geschrieben hat das Theater Lukas Bärfuss. Da schon das erste Lob. Angelehnt an das Original, nahm er die Figuren und setzte sie in die heutige Zeit. Die Welt veränderte sich in den vergangenen elf Jahren, seit das letzte Welttheater gespielt wurde. Darum nahm, im Spiel die Figur Welt, nicht nur die alten Player mit, sondern auch Klimaerwärmung, tektonische Platten und die Pandemie. Am Anfang kamen der Bauer, der Arme, der König, der Reiche, die Schöne und die Vernunft auf die Bühne und niemand wollte spielen. Die Vernunft sagte, dass sie gestorben sei, heute regiere Krieg, Chaos und Wahnsinn die Welt. Nur zwei zukünftige Kinder, ein Mädchen und ein Knabe, wollten spielen.

Sie übernahmen alle Rollen, wurden älter, bis sie eine Greisin war. Sie tötete als junge Königin ihren Freund, beim Kampf um die Macht. Die Geschichte und die Aussagen sind sehr klar und deutlich, ohne moralischen Zeigefinger. Es wurde auch nicht ein Stück, das depressiv machte, sondern zum Denken anregte und auch Witz, ja Spott, oder Schönheit, Schreckmomente und viele emotionale Elemente dabei hatte. Das Stück zeigte, dass das Mädchen, gleich in welchem Alter, nur das Gute wollte, immer aber trotzdem in die Rolle geriet, wie mächtige Königin, vermögende Frau.

Am Schluss wollten die Kinder es nochmals versuchen, es besser zu machen. Gesprochen wurde Mundart, und zwar jede Person in der Mundart, welche er/sie im Alltag spricht. Die Spielfreude des Spielvolks und die Leistung aller war grossartig und sensationell. Es regnete, das Publikum hatte gedeckte Tribünen und das Spielvolk spielte, als ob nichts wäre. Dazu kam die Musik, von Blasmusik, zu klassisch, herrlich dreckigem Gitarrensound, Chorgesänge bis Rap war alles vertreten.

Das Meiste live. Einzelszenen wechselten sich mit Grossgruppenszenen. Technisch war es hochstehend, auch der tolle Nebel. Im sehr katholischen Einsiedeln bekam auch die katholische Kirche etwas ab. Als bei den Armen Frauen ihre Kinder als Dirnen anboten und dem Pfarrer ein Angebot machte, sagte der, er bekomme es gratis. Tauben flogen aus einem Grab, der Mond stieg auf und viele schöne Bilder entstanden. Es bleibt nur zu sagen, das war grossartiges Welttheater. Ein ganz grosses Lob an alle Beteiligten. Darum ein Tipp an die Leserschaft, nicht verpassen.

Fredi Hallauer