Live: „Molières Amphitryon“ nach der französischen Komödie in der Vidmar 1 am 19. Dezember 2023

Schon vor dem Theatersaal rannte einer mit Handy herum und fluchte weil offenbar Einiges nicht ging. Im Theatersaal, vor der Vorstellung flackerte andauernd das Licht, kurz vor Beginn war wieder dieser nervöse Mann am Handy und schimpfte, suchte den Fehler, kannte sich hier nicht aus. Dann begann das Stück, ohne Licht. Jetzt merkte man spätestens das alles zum Theaterstück gehörte. Die sechs Schauspieler:innen und der Musiker zeigten eine Probe, 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn, mit schlechtem Licht, eine Schauspielerin steckte in Deutschland im Zug, so sprang eine ehemalige Kollegin aus dem Publikum unfreiwillig ein. Der Techniker wäre gerne Schauspieler, sie wollen ihn aber nicht, er muss Techniker bleiben.
So bleibt dann alles ziemlich hektisch, die Schauspieler:innen hinterfragen sich immer wieder und stellen sich den Theaterfragen, „wer bin ich, bin ich der/die in der Rolle oder ist es nur Rolle?“ Langsam kam dann immer mehr von der eigentlichen Verwechslungskomödie zum Zug.
Gezeigt wurde einerseits die Geschichte Amphitryon nach Molière, dann etwas aus dem Leben von ihm und seinen Gauklertruppen, einige Modernisierungen fanden Platz, vor allem textlich, gute Gags wie der mit dem Trampolin (inspiriert von einer misslungenen Szene aus Tosca, welche öfters im Fernsehen gezeigt wurde) und eigenständige Texte der Schauspieler:innen. Genial war das Bühnenbild. Das Stück war immer sehr rasant, da und dort eine ruhigere Phase hätte dem Ganzen gut getan. Es wurde sehr schnell gesprochen und in dem hohen Tempo doch das Eine oder Andere vernuschelt, etwas schade. Regie führte Bruno Cathomas. Das Stück machte Spass und gab auch Anlass um über das Eine oder Andere nachzudenken.

Fredi Hallauer