HOMMAGE AN CHRISTOF STÄHLIN

Live: Martin Betz, Luise Enzian, Liv Markus, Sebastian Krämer, Uta Köbernick und Annett Kuhr in der La Cappella Bern am 24. November 2018

Martin Betz Bild Fredi Hallauer

Dieser Abend war ein spezieller Abend, oder ein nicht wiederholbarer Abend. Der deutsche Liedermacher und Kabarettist, Poet, Musiker und vieles mehr, war der erste ausländische Künstler, welcher in der La Cappella eine ganze Woche gastierte. Das war im Jahre 2000. Im Jahr 2015 verstarb er mit 74 jährig an einem Hirntumor. Er führte seit 1989 seine Akademie für Musik und Poesie Namens SAGO. Viele KünstlerInnen aus dieser Akademie traten bereits in der La Cappella auf. An diesem Abend taten das sechs KünstlerInnen in der Erinnerung an ihren Lehrer.

Sebastian Krämer Bild Fredi Hallauer

Der Abend begann mit einem Harfenstück auf einer Barockharfe, gespielt von Luise Enzian. Sie spielte später weitere Solostücke und begleitete das eine oder andere Lied. Martin Betz, der jetzige Co-Leiter von SAGO, erklärte die Philosophie von Christof Stählin und trat dann später mit eigenen und Liedern von Christof Stählin noch auf. Er hatte etwas Schwierigkeiten die Töne zu treffen, was vom Text ablenkte. Die KünstlerInnen, alle sehr erfahren auf den Bühnen der Kleinkunst, waren sehr nervös. Die Eine schaffte es kaum die Gitarre zu stimmen, die Andere blieb zweimal im gleichen Lied hängen. Aber mit der Erfahrung umschifften sie diese Klippen elegant. Sebastian Krämer sang wunderbar und mit einem gewissen Schalk, die teils nicht einfachen Texte, brachte er gut zum Publikum hinüber. Sehr stark war Christof Stählins Lied „Der arme Poet“.

Annett Kuhr Bild Fredi Hallauer

Annett Kur bestach durch die ruhigen und beschreibenden Lieder.

Liv Markus Bild Fredi Hallauer

Liv Markus überzeugte ebenfalls, aber ein Höhepunkt des Abends war im zweiten Teil mit der baseldeutschen Version von „Ne me quitte pas“ als „Verloss mi nid“, aber auch mit Christof Stählins Lied „Das Netz“.

Uta Köbernick Bild Fredi Hallauer

Uta Köbernick war sehr erfrischend mit ihren Liedern. Alles in allem ein wirklich wunderbarer Abend, textlich teils sehr anspruchsvoll und mit hohem Niveau. Das Publikum konnte nicht einfach konsumieren, sondern war gefordert eigene Denkleistungen zu erbringen. Vielleicht war der Teil vor der Pause etwas schwierig und der zweite Teil dafür leichter, was so gut tat, aber auch Leute an den Rand der Überforderung brachte. Ein Abend der nicht so schnell vergessen geht.

Bild Fredi Hallauer

Fredi Hallauer

UTA KÖBERNICK

Live: „Ich bin noch nicht fertig“ in der La Cappella Bern am 7.November 2018

Uta Köbernick präsentierte ihr neues Soloprogramm, es war die dritte Aufführung. Sie beruhigte sofort das Publikum, dass es nicht nervös sein müsse. Sie schaffte es von Null auf Hundert das Publikum in ihren Bann zu ziehen und an ihren Lippen zu kleben um ja kein Wort zu verpassen. Sie ging es ruhig an, so dass man den Texten sehr gut folgen konnte. Ihr Musikkabarett war politisch, satirisch, aber auch menschlich und zwischenmenschlich. Sie lebt in der Schweiz und kennt sich auch hier mit Politik und Wirtschaft aus, so gab es Erklärungen und ein Lied zum Bahnfit der SBB. Sie findet das ist kein Fitnessprogramm, sondern eine Hinführung zur Magersucht. Sie sang zur Gitarre, Ukulele und Geige. Dazwischen las sie Texte, Geschichten, Fragmente von zetteln, welche sie auf einem Tisch herumliegen hatte. Diese Texte hatten Tiefgang, waren skurill oder sonst schräg. nach der Pause erschien sie als andere Figur, einer jungen Ostberlinerin und erzählte als diese Frau eine #metoo Geschichte und dass man dabei lernt, dass nein sagen nicht hilft. Uta Köbernick schaffte es auf sympathische Weise Humor mit Tiefgang zu präsentieren. Es lohnt sich dieses Programm zu sehen.

Fredi Hallauer